Stellt euch vor, ein Mensch sitzt gemütlich beim Frühstück, liest die Zeitung und trinkt seinen Kaffee. Alles ist normal. Eine Sekunde später greift er sich an die Brust, bricht schweißgebadet zusammen und ringt nach Luft.
In genau diesem Sekundenbruchteil wird die Normalität völlig auf den Kopf gestellt. Die Ordnung zerbricht und das Chaos übernimmt die Regie. Genau an diesem Punkt beginnt eure Arbeit. Um dieses Chaos beherrschen zu können, müssen wir die Situation zunächst benennen und verstehen, womit wir es überhaupt zu tun haben. Wir klären nun die genaue Wortherkunft, trennen den Begriff der Gefahr vom Begriff des Notfalls und schauen uns die fünf unverwechselbaren Merkmale einer echten Notfallsituation an.
Wörter haben eine Geschichte und ihre Herkunft verrät uns viel über ihre tiefere Bedeutung.
Das Wort Notfall setzt sich aus zwei alten germanischen Begriffen zusammen.
Auch dieses Wort hat tiefe historische Wurzeln. Es stammt vom althochdeutschen "fāra" ab, was ursprünglich Nachstellung, Betrug oder einen plötzlichen Schrecken bedeutete. Heute verstehen wir unter Gefahr eine Situation, in der ein Schaden eintreten könnte, wenn wir den Lauf der Dinge nicht verändern.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Gefahr und Notfall oft vermischt. In der professionellen Gefahrenabwehr und im Rettungsdienst müssen wir diese beiden Begriffe jedoch haarscharf voneinander trennen.
Eine Gefahrensituation ist ein Zustand, in dem ein Schaden droht, aber noch nicht zwingend eingetreten ist.
Ein Notfall (insbesondere der medizinische Notfall) ist die Verwirklichung der Gefahr. Der Schaden ist bereits eingetreten oder manifestiert sich gerade in dieser Sekunde.
Wir unterscheiden zudem grob in zwei medizinische Kategorien:
Jeder Einsatz im Rettungsdienst ist anders. Ein Verkehrsunfall sieht völlig anders aus als eine Wiederbelebung im Wohnzimmer. Dennoch teilen absolut alle echten Notfälle fünf fundamentale Merkmale, die ihr kennen müsst, um mental darauf vorbereitet zu sein.
Ein Notfall kündigt sich fast nie mit einem Terminkalender an. Er tritt völlig unvermittelt auf. Für den Patienten bedeutet das einen extremen Schock, da er mental völlig unvorbereitet aus seinem Alltag gerissen wird. Für euch als Retter bedeutet das: Ihr wisst morgens bei Dienstbeginn nie, was der Tag bringt. Ihr müsst aus dem völligen Ruhezustand auf der Wache innerhalb von Sekunden auf hundert Prozent Leistungsfähigkeit hochfahren.
Die Uhr ist euer größter Feind. In einer echten Notfallsituation tickt das sogenannte therapiefreie Intervall. Das ist die Zeit vom Eintritt des Ereignisses bis zu dem Moment, in dem ihr die erste medizinische Maßnahme durchführt. Steht das Herz still, stirbt das menschliche Gehirn nach etwa drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff unwiderruflich ab. Jeder Handgriff von euch muss daher sitzen. Es gibt keine Zeit, um im Lehrbuch nachzuschlagen.
Ein echter Notfall betrifft immer die elementaren Vitalfunktionen des menschlichen Körpers. Das Bewusstsein, die Atmung oder der Blutkreislauf sind massiv gestört oder stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Wenn hier nicht sofort von außen eingegriffen wird, drohen dem Patienten schwerste dauerhafte gesundheitliche Schäden oder der sichere Tod.
Dieser Punkt betrifft euch als Retter ganz persönlich. Wenn ihr an der Einsatzstelle eintrefft, schauen euch verzweifelte Angehörige, schreiende Verletzte und neugierige Gaffer an. Alle erwarten von euch, dass ihr die Situation sofort löst. Dieser extreme Druck erfordert nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch eine enorme psychische Stabilität und ein klares Führungsverhalten.
Ein Notfall kann vom Patienten oder seinen Angehörigen niemals allein bewältigt werden. Er erfordert zwingend den Einsatz von hochspezialisiertem Personal (wie euch als Notfallsanitätern), extrem teurer technischer Ausrüstung (wie Beatmungsgeräten oder Defibrillatoren) und einer komplexen Logistik (wie der Notrufzentrale und dem Krankenhaus).
💡 MERKE:
Eine Gefahr ist ein Zustand, in dem ein Schaden eintreten könnte. Ein Notfall ist das plötzliche Eintreten dieses Schadensereignisses. Jeder medizinische Notfall ist gekennzeichnet durch Plötzlichkeit, absoluten Zeitdruck, eine akute Lebensbedrohung, extremen Handlungsdruck für die Retter und die Notwendigkeit hochspezialisierter Ressourcen.
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Herzlich willkommen zu diesem Modul! Ein Notfall ist niemals nur schwarz oder weiß. Wenn das rote Telefon auf der Leitstelle klingelt, verbirgt sich hinter jedem Anruf eine andere medizinische Herausforderung.
Gleichzeitig werdet ihr an der Einsatzstelle feststellen, dass ein Notfall ein echtes Chamäleon ist. Je nachdem, durch welche Brille man auf das Ereignis schaut, verändert sich die Bedeutung. Ein brennendes Auto mit einer eingeklemmten Person ist für euch ein massives medizinisches Problem. Für die Feuerwehr ist es primär ein physikalisches Problem, und für die Polizei ist es ein potenzieller Tatort. In diesem Modul gliedern wir zunächst die medizinischen Notfallarten und beleuchten danach, wie die verschiedenen Fachdisziplinen den Begriff des Notfalls definieren.
In der Präklinik (also der Zeit, bevor der Patient das Krankenhaus erreicht) teilen wir Notfälle grob in verschiedene medizinische Fachdisziplinen ein. Das hilft euch, schon auf der Anfahrt die richtigen gedanklichen Schubladen zu öffnen und eure Ausrüstung vorzubereiten.
Dies ist euer absolutes Hauptgeschäft im Rettungsdienst. Hier streiken die inneren Organe, ohne dass es eine Gewalteinwirkung von außen gab.
Hier wird der Körper durch äußere Gewalteinwirkung geschädigt. Die Physik (die sogenannte Kinematik) spielt hier die Hauptrolle.
Diese Einsätze betreffen das Gehirn, das Nervensystem oder die menschliche Psyche.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen! Ihr Stoffwechsel, ihre Anatomie und ihre Psyche funktionieren völlig anders.
Diese Notfälle betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane oder Schwangerschaften.
Wenn ihr bei einem schweren Verkehrsunfall eintrefft, steht ihr dort nicht allein. Neben euch arbeiten andere Blaulichtorganisationen. Doch das Wort „Notfall“ bedeutet für jede Farbe auf der Straße etwas anderes.
Für euch als Notfallsanitäter und für die Notärzte ist ein Notfall streng auf die Biologie des Menschen fokussiert.
Für die Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr ist der Notfall primär ein physikalisches, chemisches oder thermisches Problem.
Die Polizei blickt völlig anders auf die Szenerie. Für sie ist der Notfall eine Störung der staatlichen Ordnung.
Es gibt Menschen an der Einsatzstelle, die keinen einzigen Kratzer haben und für euch medizinisch unauffällig sind. Trotzdem befinden sie sich in einem absoluten Notfall.
Das Wissen um diese verschiedenen Definitionen ist für euch als zukünftige Einsatzkräfte Gold wert! Wenn ihr versteht, dass der Polizist gerade nicht aus Neugier den Patienten befragt, sondern weil sein „Notfall-Fokus“ die Beweissicherung ist, und wenn ihr begreift, dass die Feuerwehr euch erst dann an das Unfallopfer lässt, wenn ihr „Notfall-Fokus“ (die Sicherheit vor einer Explosion) geklärt ist, dann vermeidet ihr unnötigen Streit an der Einsatzstelle. Echte Profis respektieren die Notfall-Definition der anderen Disziplinen und arbeiten wie Zahnräder ineinander.
💡 MERKE:
In der Medizin unterscheiden wir Notfälle grob in internistische, traumatologische, neurologische, psychiatrische, pädiatrische und gynäkologische Notfälle. Der Begriff des Notfalls ist stark disziplinabhängig: Die Medizin fokussiert sich auf die Vitalfunktionen, die Feuerwehr auf die technische und physikalische Gefahrenabwehr, die Polizei auf die öffentliche Sicherheit und Ermittlung und die Psychologie auf den Verlust seelischer Bewältigungsstrategien.
Stellt euch vor, ein Mensch sitzt gemütlich beim Frühstück, liest die Zeitung und trinkt seinen Kaffee. Alles ist normal. Eine Sekunde später greift er sich an die Brust, bricht schweißgebadet zusammen und ringt nach Luft.
In genau diesem Sekundenbruchteil wird die Normalität völlig auf den Kopf gestellt. Die Ordnung zerbricht und das Chaos übernimmt die Regie. Genau an diesem Punkt beginnt eure Arbeit. Um dieses Chaos beherrschen zu können, müssen wir die Situation zunächst benennen und verstehen, womit wir es überhaupt zu tun haben. Wir klären nun die genaue Wortherkunft, trennen den Begriff der Gefahr vom Begriff des Notfalls und schauen uns die fünf unverwechselbaren Merkmale einer echten Notfallsituation an.
Wörter haben eine Geschichte und ihre Herkunft verrät uns viel über ihre tiefere Bedeutung.
Das Wort Notfall setzt sich aus zwei alten germanischen Begriffen zusammen.
Auch dieses Wort hat tiefe historische Wurzeln. Es stammt vom althochdeutschen "fāra" ab, was ursprünglich Nachstellung, Betrug oder einen plötzlichen Schrecken bedeutete. Heute verstehen wir unter Gefahr eine Situation, in der ein Schaden eintreten könnte, wenn wir den Lauf der Dinge nicht verändern.
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Gefahr und Notfall oft vermischt. In der professionellen Gefahrenabwehr und im Rettungsdienst müssen wir diese beiden Begriffe jedoch haarscharf voneinander trennen.
Eine Gefahrensituation ist ein Zustand, in dem ein Schaden droht, aber noch nicht zwingend eingetreten ist.
Ein Notfall (insbesondere der medizinische Notfall) ist die Verwirklichung der Gefahr. Der Schaden ist bereits eingetreten oder manifestiert sich gerade in dieser Sekunde.
Wir unterscheiden zudem grob in zwei medizinische Kategorien:
Jeder Einsatz im Rettungsdienst ist anders. Ein Verkehrsunfall sieht völlig anders aus als eine Wiederbelebung im Wohnzimmer. Dennoch teilen absolut alle echten Notfälle fünf fundamentale Merkmale, die ihr kennen müsst, um mental darauf vorbereitet zu sein.
Ein Notfall kündigt sich fast nie mit einem Terminkalender an. Er tritt völlig unvermittelt auf. Für den Patienten bedeutet das einen extremen Schock, da er mental völlig unvorbereitet aus seinem Alltag gerissen wird. Für euch als Retter bedeutet das: Ihr wisst morgens bei Dienstbeginn nie, was der Tag bringt. Ihr müsst aus dem völligen Ruhezustand auf der Wache innerhalb von Sekunden auf hundert Prozent Leistungsfähigkeit hochfahren.
Die Uhr ist euer größter Feind. In einer echten Notfallsituation tickt das sogenannte therapiefreie Intervall. Das ist die Zeit vom Eintritt des Ereignisses bis zu dem Moment, in dem ihr die erste medizinische Maßnahme durchführt. Steht das Herz still, stirbt das menschliche Gehirn nach etwa drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff unwiderruflich ab. Jeder Handgriff von euch muss daher sitzen. Es gibt keine Zeit, um im Lehrbuch nachzuschlagen.
Ein echter Notfall betrifft immer die elementaren Vitalfunktionen des menschlichen Körpers. Das Bewusstsein, die Atmung oder der Blutkreislauf sind massiv gestört oder stehen kurz vor dem Zusammenbruch. Wenn hier nicht sofort von außen eingegriffen wird, drohen dem Patienten schwerste dauerhafte gesundheitliche Schäden oder der sichere Tod.
Dieser Punkt betrifft euch als Retter ganz persönlich. Wenn ihr an der Einsatzstelle eintrefft, schauen euch verzweifelte Angehörige, schreiende Verletzte und neugierige Gaffer an. Alle erwarten von euch, dass ihr die Situation sofort löst. Dieser extreme Druck erfordert nicht nur medizinisches Fachwissen, sondern auch eine enorme psychische Stabilität und ein klares Führungsverhalten.
Ein Notfall kann vom Patienten oder seinen Angehörigen niemals allein bewältigt werden. Er erfordert zwingend den Einsatz von hochspezialisiertem Personal (wie euch als Notfallsanitätern), extrem teurer technischer Ausrüstung (wie Beatmungsgeräten oder Defibrillatoren) und einer komplexen Logistik (wie der Notrufzentrale und dem Krankenhaus).
💡 MERKE:
Eine Gefahr ist ein Zustand, in dem ein Schaden eintreten könnte. Ein Notfall ist das plötzliche Eintreten dieses Schadensereignisses. Jeder medizinische Notfall ist gekennzeichnet durch Plötzlichkeit, absoluten Zeitdruck, eine akute Lebensbedrohung, extremen Handlungsdruck für die Retter und die Notwendigkeit hochspezialisierter Ressourcen.
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Herzlich willkommen zu diesem Modul! Ein Notfall ist niemals nur schwarz oder weiß. Wenn das rote Telefon auf der Leitstelle klingelt, verbirgt sich hinter jedem Anruf eine andere medizinische Herausforderung.
Gleichzeitig werdet ihr an der Einsatzstelle feststellen, dass ein Notfall ein echtes Chamäleon ist. Je nachdem, durch welche Brille man auf das Ereignis schaut, verändert sich die Bedeutung. Ein brennendes Auto mit einer eingeklemmten Person ist für euch ein massives medizinisches Problem. Für die Feuerwehr ist es primär ein physikalisches Problem, und für die Polizei ist es ein potenzieller Tatort. In diesem Modul gliedern wir zunächst die medizinischen Notfallarten und beleuchten danach, wie die verschiedenen Fachdisziplinen den Begriff des Notfalls definieren.
In der Präklinik (also der Zeit, bevor der Patient das Krankenhaus erreicht) teilen wir Notfälle grob in verschiedene medizinische Fachdisziplinen ein. Das hilft euch, schon auf der Anfahrt die richtigen gedanklichen Schubladen zu öffnen und eure Ausrüstung vorzubereiten.
Dies ist euer absolutes Hauptgeschäft im Rettungsdienst. Hier streiken die inneren Organe, ohne dass es eine Gewalteinwirkung von außen gab.
Hier wird der Körper durch äußere Gewalteinwirkung geschädigt. Die Physik (die sogenannte Kinematik) spielt hier die Hauptrolle.
Diese Einsätze betreffen das Gehirn, das Nervensystem oder die menschliche Psyche.
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen! Ihr Stoffwechsel, ihre Anatomie und ihre Psyche funktionieren völlig anders.
Diese Notfälle betreffen die weiblichen Geschlechtsorgane oder Schwangerschaften.
Wenn ihr bei einem schweren Verkehrsunfall eintrefft, steht ihr dort nicht allein. Neben euch arbeiten andere Blaulichtorganisationen. Doch das Wort „Notfall“ bedeutet für jede Farbe auf der Straße etwas anderes.
Für euch als Notfallsanitäter und für die Notärzte ist ein Notfall streng auf die Biologie des Menschen fokussiert.
Für die Kolleginnen und Kollegen der Feuerwehr ist der Notfall primär ein physikalisches, chemisches oder thermisches Problem.
Die Polizei blickt völlig anders auf die Szenerie. Für sie ist der Notfall eine Störung der staatlichen Ordnung.
Es gibt Menschen an der Einsatzstelle, die keinen einzigen Kratzer haben und für euch medizinisch unauffällig sind. Trotzdem befinden sie sich in einem absoluten Notfall.
Das Wissen um diese verschiedenen Definitionen ist für euch als zukünftige Einsatzkräfte Gold wert! Wenn ihr versteht, dass der Polizist gerade nicht aus Neugier den Patienten befragt, sondern weil sein „Notfall-Fokus“ die Beweissicherung ist, und wenn ihr begreift, dass die Feuerwehr euch erst dann an das Unfallopfer lässt, wenn ihr „Notfall-Fokus“ (die Sicherheit vor einer Explosion) geklärt ist, dann vermeidet ihr unnötigen Streit an der Einsatzstelle. Echte Profis respektieren die Notfall-Definition der anderen Disziplinen und arbeiten wie Zahnräder ineinander.
💡 MERKE:
In der Medizin unterscheiden wir Notfälle grob in internistische, traumatologische, neurologische, psychiatrische, pädiatrische und gynäkologische Notfälle. Der Begriff des Notfalls ist stark disziplinabhängig: Die Medizin fokussiert sich auf die Vitalfunktionen, die Feuerwehr auf die technische und physikalische Gefahrenabwehr, die Polizei auf die öffentliche Sicherheit und Ermittlung und die Psychologie auf den Verlust seelischer Bewältigungsstrategien.