Herzlich willkommen in der Energiezentrale des Körpers! Glukose (Traubenzucker) ist der wichtigste Energielieferant für unsere Zellen. Besonders unser Gehirn ist ein "Glukose-Junkie": Es kann keine Energie speichern und ist sekündlich auf Nachschub aus dem Blut angewiesen. Der normale Blutzuckerspiegel eines gesunden Menschen liegt nüchtern etwa zwischen 60 und 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und steigt nach dem Essen auf bis zu 140 Milligramm pro Deziliter an.
Zwei Hormone aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) steuern diesen Spiegel wie ein Thermostat.
Dies ist der "echte" Zeitnotfall. Sinkt der Spiegel unter 40 bis 50 Milligramm pro Deziliter, gerät das Gehirn in akute Not.
Hier steigt der Spiegel massiv an, oft auf über 300 Milligramm pro Deziliter. Dies entwickelt sich meist schleichend über Tage.
💡 MERKE:
Insulin lässt den Zucker in die Zelle (senkt den Blutspiegel). Glukagon holt Zucker aus dem Speicher (hebt den Blutspiegel).Eine Hypoglykämie tritt blitzartig auf. Zeichen: Kaltschweißigkeit, Zittern, Verwirrtheit. Therapie: Zucker geben!Eine Hyperglykämie entwickelt sich langsam. Zeichen: Durst, Polyurie, Aceton-Geruch. Therapie: Flüssigkeit geben!
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Herzlich willkommen zur Einteilung der Zuckerkrankheit! Wir haben gelernt, dass Insulin der Schlüssel ist, der die Zellen aufschließt, damit Glukose als Energiequelle hineinfließen kann. Bei den verschiedenen Diabetes-Typen ist dieses Schlüssel-Schloss-Prinzip gestört. Entweder wird überhaupt kein Schlüssel mehr produziert, das Schloss ist verrostet, oder die Schlüsselfabrik wurde durch andere Ereignisse zerstört. Wir unterscheiden 4 wesentliche Hauptgruppen.
Dies ist eine Autoimmunerkrankung, die meist schon im Kindes-, Jugend- oder frühen Erwachsenenalter ausbricht. Der Körper greift sich fälschlicherweise selbst an.
Dies ist die absolute Volkskrankheit! Sie macht über 90 Prozent aller Diabetesfälle aus. Früher nannte man ihn "Altersdiabetes", heute betrifft er durch Bewegungsmangel und Übergewicht zunehmend auch junge Menschen.
Hierunter fasst man alle Formen zusammen, die nicht in Typ 1 oder Typ 2 passen. Es sind "sekundäre" Formen, bei denen der Diabetes die logische Folge einer anderen Erkrankung oder Einwirkung ist.
Diese Form tritt ausschließlich bei Schwangeren auf und wird meist um die 24. bis 28. Schwangerschaftswoche bei einer Routinekontrolle entdeckt.
💡 MERKE:
Der Typ-1-Diabetes ist ein absoluter Insulinmangel (die Fabrik ist zerstört). Die Therapie ist zwingend Insulin!Der Typ-2-Diabetes beginnt mit einer Insulinresistenz (die Schlösser sind blockiert). Er entsteht meist durch Fehlernährung und Übergewicht.Typ-3 umfasst sekundäre Ursachen (wie eine Pankreatitis oder Cortison).Schwangerschaftsdiabetes entsteht durch Hormone der Plazenta und bedroht primär das Wachstum des ungeborenen Kindes!
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Herzlich willkommen zu den langfristigen Komplikationen! Wenn Glukose nicht in die Zellen gelangt, staut sie sich im Blut. Dieser dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel schädigt die innerste Schicht der Blutgefäße (Endothel). Es kommt zu Entzündungen, Verkalkungen und schließlich zum Verschluss. Um diese massiven Begleiterkrankungen im Rettungsdienst strukturiert zu erfassen, teilt die Medizin sie anhand der Größe der betroffenen Blutgefäße in 2 Hauptgruppen ein.
Hierbei verstopfen die großen, arteriellen Blutgefäße durch eine beschleunigte Arteriosklerose. Diabetiker erleiden diese "Verkalkung" oft Jahrzehnte früher als stoffwechselgesunde Menschen.
Hier schädigt der Zucker die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren), die unsere sensibelsten Organe versorgen. Diese Form der Schädigung ist absolut spezifisch für den Diabetes!
Das diabetische Fußsyndrom ist die gefürchtete Kombination aus Makro- und Mikroangiopathie und führt in Deutschland jährlich zu zehntausenden Amputationen.
💡 MERKE:
Der Diabetes zerstört die Gefäße! Wir trennen in große Gefäße (Makroangiopathie) und kleine Gefäße (Mikroangiopathie).Die Makroangiopathie führt zu Herzinfarkten (Achtung: oft stumm ohne Schmerz!), Schlaganfällen und pAVK. Die Mikroangiopathie zerstört die Nieren (Nephropathie), die Augen (Retinopathie) und die Nerven (Neuropathie).Das Diabetische Fußsyndrom ist die gefährliche Kombination aus tauben Füßen, schlechter Durchblutung und Infektion.
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Herzlich willkommen zur massiven Überzuckerung! Im Gegensatz zur Hypoglykämie (Unterzucker), die den Patienten innerhalb von Minuten in die Bewusstlosigkeit treibt, entwickelt sich die Hyperglykämie oft schleichend über Tage. Der Blutzucker steigt und steigt, weil der Körper das Insulin entweder nicht hat (Typ 1) oder nicht nutzen kann (Typ 2). Das Blut wird dickflüssig wie Sirup, und der Körper versucht verzweifelt, den Zucker über den Urin auszuscheiden. Dabei verliert der Patient gigantische Mengen an Wasser und trocknet innerlich komplett aus (Exsikkose). Die Endstufe dieser Austrocknung und Überzuckerung ist das Coma diabeticum.
Der Behandlungspfad Rettungsdienst (BPR) definiert ganz exakte Schwellenwerte, ab wann ein Blutzucker als kritisch erhöht gilt. Die klinischen Auswirkungen sind jedoch individuell sehr verschieden!
Eine reine Zahl auf dem Blutzuckermessgerät reicht nicht für eine medikamentöse Therapie. Der Algorithmus greift erst, wenn auch Symptome vorliegen.
Die Erläuterungen des BPR machen eine unmissverständliche Ansage: Insulin ist für die präklinische Anwendung schlecht praktikabel. Die Therapie der Wahl im Rettungsdienst ist die Bekämpfung der massiven Austrocknung durch Volumengabe!
💡 MERKE:
Eine kritische Hyperglykämie beginnt beim Erwachsenen ab 250 Milligramm pro Deziliter, beim Kind ab 200 Milligramm pro Deziliter. Präklinisch wird NIEMALS Insulin gegeben! Die Therapie besteht aus der Gabe von Vollelektrolytlösung (Erwachsene 500 bis 1000 Milliliter), um die massive Austrocknung zu bekämpfen. Vor der Infusion muss zwingend ein Lungenödem oder eine schwere Herzinsuffizienz ausgeschlossen werden!
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Herzlich willkommen zum echten endokrinologischen Zeitnotfall! Unser Gehirn verbrennt ausschließlich Glukose (Traubenzucker). Es hat jedoch keinen eigenen Speicher dafür. Wenn der Nachschub aus dem Blutkreislauf abreißt, schalten die Gehirnzellen ihre Funktion ab, um zu überleben. Dieser Zustand tritt oft blitzartig ein, besonders bei insulinpflichtigen Diabetikern, die ihre Dosis gespritzt, aber anschließend ihre Mahlzeit vergessen oder sich körperlich stark angestrengt haben.
Der Behandlungspfad gibt uns eine klare diagnostische Schwelle vor, warnt aber gleichzeitig vor einer reinen "Zahlen-Medizin".
Der Körper reagiert auf den fallenden Zucker in zwei Phasen, die wir am Einsatzort deutlich erkennen können.
Der Algorithmus der 6-Länder-AG teilt unsere Behandlung knallhart an einer einzigen, lebenswichtigen Frage auf: Ist der Patient wach und kann er sicher schlucken?
Die Erläuterungen zum BPR enthalten einen extrem wichtigen Satz für die Einsatztaktik: Sollte ein Patient mit Hypoglykämie nach der Glucosegabe nicht aufklaren, müssen unbedingt weitere Ursachen für die Bewusstseinsstörung (wie ein Schlaganfall oder eine Hirnblutung) erwogen werden!
💡 MERKE:
Der Grenzwert für Unterzucker liegt bei 60 Milligramm pro Deziliter (Therapie nach Symptomen!).Ist der Patient wach und kann schlucken: Immer orale Gabe bevorzugen! Bei Bewusstlosigkeit: Intravenöse Gabe von 8 bis 10 Gramm Glucose (maximal 20 Prozent, immer mit Tröpfcheninfusion spülen!).Fällt der i.v.-Zugang aus, rettet Glucagon (intramuskulär oder nasal) das Leben, sofern die Leber noch Speicher hat.
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Herzlich willkommen auf den Nieren! Wie kleine Kappen sitzen die Nebennieren auf unseren Nieren. Sie sind die absolut lebenswichtigen Stress-Zentralen unseres Körpers. In ihrer Rinde werden 2 entscheidende Hormone produziert: Cortisol (das Stresshormon, das Energie bereitstellt und Entzündungen hemmt) und Aldosteron (das Hormon, das den Salz- und Wasserhaushalt steuert). Bei der Addison-Krankheit ist diese Rinde zerstört. Der Körper kann absolut nicht mehr auf Stress reagieren. Tritt nun eine Belastung auf, bricht das System lebensgefährlich zusammen.
Die Lebensgefahr in der Krise entsteht durch das gleichzeitige Fehlen dieser beiden Botenstoffe.
Ein Addison-Patient nimmt seine Hormone normalerweise in Tablettenform ein. Eine Krise entsteht, wenn der Körper plötzlich viel mehr Hormone bräuchte, als er zur Verfügung hat.
Die Addison-Krise präsentiert sich als diffuses, aber absolut lebensgefährliches Bild, das uns leicht in die Irre führen kann.
Dies ist einer der wenigen Notfälle, bei denen wir präklinisch die Ursache sofort und ursächlich (kausal) bekämpfen können und müssen!
💡 MERKE:
Die Addison-Krise ist der plötzliche Mangel an Cortisol und Aldosteron. Auslöser sind oft Infekte/Unfälle (bei bekanntem Addison) oder das abrupte Absetzen von Cortison-Präparaten. Das Bild zeigt einen unerklärlichen Schock, Unterzuckerung, Bauchschmerzen (Pseudoperitonitis) und braune Haut. Die lebensrettende Therapie besteht aus 100 Milligramm Hydrocortison i.v., massiver Volumengabe und Glucose.
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Herzlich willkommen an der Drosselklappe des Körpers! Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) liegt schmetterlingsförmig vor unserer Luftröhre. Sie produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Diese Hormone bestimmen unser Grundtempo: Sie regeln den Herzschlag, die Körpertemperatur, den Energieverbrauch und die Nervenaktivität. Bei einer thyreotoxischen Krise flutet die Schilddrüse den Blutkreislauf schlagartig mit gigantischen Mengen dieser Hormone. Der Körper drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch, während die Bremsen komplett versagen!
Eine Krise entsteht fast nie aus dem Nichts. Meist hat der Patient bereits eine (oft unentdeckte) Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die durch einen äußeren Reiz plötzlich komplett entgleist.
Die Symptomatik ist eine dramatische, massive Überaktivierung des Sympathikus (unseres Stress-Nervensystems).
Um die Schwere der Krise einzuschätzen, teilt die Notfallmedizin sie anhand der neurologischen Ausfälle in 3 Stadien ein:
Auf der Straße haben wir keine Medikamente, um die Schilddrüse abzuschalten. Wir müssen die tödlichen Begleitsymptome (das Fieber und den Flüssigkeitsverlust) bekämpfen.
💡 MERKE:
Die Thyreotoxische Krise ist eine lebensgefährliche Überfunktion (der Körper läuft auf 1000 Prozent).Leitsymptome sind extremes Herzrasen, glühendes Fieber (> 40 Grad Celsius) und Unruhe/Koma.Präklinische Auslöser können jodhaltige Medikamente (Amiodaron) oder Desinfektionsmittel sein.Zur Fiebersenkung NIEMALS ASS (Aspirin) geben, da dies den Hormonsturm massiv verstärkt! Physikalisch kühlen!
Herzlich willkommen in der Energiezentrale des Körpers! Glukose (Traubenzucker) ist der wichtigste Energielieferant für unsere Zellen. Besonders unser Gehirn ist ein "Glukose-Junkie": Es kann keine Energie speichern und ist sekündlich auf Nachschub aus dem Blut angewiesen. Der normale Blutzuckerspiegel eines gesunden Menschen liegt nüchtern etwa zwischen 60 und 100 Milligramm pro Deziliter (mg/dl) und steigt nach dem Essen auf bis zu 140 Milligramm pro Deziliter an.
Zwei Hormone aus der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) steuern diesen Spiegel wie ein Thermostat.
Dies ist der "echte" Zeitnotfall. Sinkt der Spiegel unter 40 bis 50 Milligramm pro Deziliter, gerät das Gehirn in akute Not.
Hier steigt der Spiegel massiv an, oft auf über 300 Milligramm pro Deziliter. Dies entwickelt sich meist schleichend über Tage.
💡 MERKE:
Insulin lässt den Zucker in die Zelle (senkt den Blutspiegel). Glukagon holt Zucker aus dem Speicher (hebt den Blutspiegel).Eine Hypoglykämie tritt blitzartig auf. Zeichen: Kaltschweißigkeit, Zittern, Verwirrtheit. Therapie: Zucker geben!Eine Hyperglykämie entwickelt sich langsam. Zeichen: Durst, Polyurie, Aceton-Geruch. Therapie: Flüssigkeit geben!
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Herzlich willkommen zur Einteilung der Zuckerkrankheit! Wir haben gelernt, dass Insulin der Schlüssel ist, der die Zellen aufschließt, damit Glukose als Energiequelle hineinfließen kann. Bei den verschiedenen Diabetes-Typen ist dieses Schlüssel-Schloss-Prinzip gestört. Entweder wird überhaupt kein Schlüssel mehr produziert, das Schloss ist verrostet, oder die Schlüsselfabrik wurde durch andere Ereignisse zerstört. Wir unterscheiden 4 wesentliche Hauptgruppen.
Dies ist eine Autoimmunerkrankung, die meist schon im Kindes-, Jugend- oder frühen Erwachsenenalter ausbricht. Der Körper greift sich fälschlicherweise selbst an.
Dies ist die absolute Volkskrankheit! Sie macht über 90 Prozent aller Diabetesfälle aus. Früher nannte man ihn "Altersdiabetes", heute betrifft er durch Bewegungsmangel und Übergewicht zunehmend auch junge Menschen.
Hierunter fasst man alle Formen zusammen, die nicht in Typ 1 oder Typ 2 passen. Es sind "sekundäre" Formen, bei denen der Diabetes die logische Folge einer anderen Erkrankung oder Einwirkung ist.
Diese Form tritt ausschließlich bei Schwangeren auf und wird meist um die 24. bis 28. Schwangerschaftswoche bei einer Routinekontrolle entdeckt.
💡 MERKE:
Der Typ-1-Diabetes ist ein absoluter Insulinmangel (die Fabrik ist zerstört). Die Therapie ist zwingend Insulin!Der Typ-2-Diabetes beginnt mit einer Insulinresistenz (die Schlösser sind blockiert). Er entsteht meist durch Fehlernährung und Übergewicht.Typ-3 umfasst sekundäre Ursachen (wie eine Pankreatitis oder Cortison).Schwangerschaftsdiabetes entsteht durch Hormone der Plazenta und bedroht primär das Wachstum des ungeborenen Kindes!
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Herzlich willkommen zu den langfristigen Komplikationen! Wenn Glukose nicht in die Zellen gelangt, staut sie sich im Blut. Dieser dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel schädigt die innerste Schicht der Blutgefäße (Endothel). Es kommt zu Entzündungen, Verkalkungen und schließlich zum Verschluss. Um diese massiven Begleiterkrankungen im Rettungsdienst strukturiert zu erfassen, teilt die Medizin sie anhand der Größe der betroffenen Blutgefäße in 2 Hauptgruppen ein.
Hierbei verstopfen die großen, arteriellen Blutgefäße durch eine beschleunigte Arteriosklerose. Diabetiker erleiden diese "Verkalkung" oft Jahrzehnte früher als stoffwechselgesunde Menschen.
Hier schädigt der Zucker die kleinsten Blutgefäße (Kapillaren), die unsere sensibelsten Organe versorgen. Diese Form der Schädigung ist absolut spezifisch für den Diabetes!
Das diabetische Fußsyndrom ist die gefürchtete Kombination aus Makro- und Mikroangiopathie und führt in Deutschland jährlich zu zehntausenden Amputationen.
💡 MERKE:
Der Diabetes zerstört die Gefäße! Wir trennen in große Gefäße (Makroangiopathie) und kleine Gefäße (Mikroangiopathie).Die Makroangiopathie führt zu Herzinfarkten (Achtung: oft stumm ohne Schmerz!), Schlaganfällen und pAVK. Die Mikroangiopathie zerstört die Nieren (Nephropathie), die Augen (Retinopathie) und die Nerven (Neuropathie).Das Diabetische Fußsyndrom ist die gefährliche Kombination aus tauben Füßen, schlechter Durchblutung und Infektion.
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Herzlich willkommen zur massiven Überzuckerung! Im Gegensatz zur Hypoglykämie (Unterzucker), die den Patienten innerhalb von Minuten in die Bewusstlosigkeit treibt, entwickelt sich die Hyperglykämie oft schleichend über Tage. Der Blutzucker steigt und steigt, weil der Körper das Insulin entweder nicht hat (Typ 1) oder nicht nutzen kann (Typ 2). Das Blut wird dickflüssig wie Sirup, und der Körper versucht verzweifelt, den Zucker über den Urin auszuscheiden. Dabei verliert der Patient gigantische Mengen an Wasser und trocknet innerlich komplett aus (Exsikkose). Die Endstufe dieser Austrocknung und Überzuckerung ist das Coma diabeticum.
Der Behandlungspfad Rettungsdienst (BPR) definiert ganz exakte Schwellenwerte, ab wann ein Blutzucker als kritisch erhöht gilt. Die klinischen Auswirkungen sind jedoch individuell sehr verschieden!
Eine reine Zahl auf dem Blutzuckermessgerät reicht nicht für eine medikamentöse Therapie. Der Algorithmus greift erst, wenn auch Symptome vorliegen.
Die Erläuterungen des BPR machen eine unmissverständliche Ansage: Insulin ist für die präklinische Anwendung schlecht praktikabel. Die Therapie der Wahl im Rettungsdienst ist die Bekämpfung der massiven Austrocknung durch Volumengabe!
💡 MERKE:
Eine kritische Hyperglykämie beginnt beim Erwachsenen ab 250 Milligramm pro Deziliter, beim Kind ab 200 Milligramm pro Deziliter. Präklinisch wird NIEMALS Insulin gegeben! Die Therapie besteht aus der Gabe von Vollelektrolytlösung (Erwachsene 500 bis 1000 Milliliter), um die massive Austrocknung zu bekämpfen. Vor der Infusion muss zwingend ein Lungenödem oder eine schwere Herzinsuffizienz ausgeschlossen werden!
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Herzlich willkommen zum echten endokrinologischen Zeitnotfall! Unser Gehirn verbrennt ausschließlich Glukose (Traubenzucker). Es hat jedoch keinen eigenen Speicher dafür. Wenn der Nachschub aus dem Blutkreislauf abreißt, schalten die Gehirnzellen ihre Funktion ab, um zu überleben. Dieser Zustand tritt oft blitzartig ein, besonders bei insulinpflichtigen Diabetikern, die ihre Dosis gespritzt, aber anschließend ihre Mahlzeit vergessen oder sich körperlich stark angestrengt haben.
Der Behandlungspfad gibt uns eine klare diagnostische Schwelle vor, warnt aber gleichzeitig vor einer reinen "Zahlen-Medizin".
Der Körper reagiert auf den fallenden Zucker in zwei Phasen, die wir am Einsatzort deutlich erkennen können.
Der Algorithmus der 6-Länder-AG teilt unsere Behandlung knallhart an einer einzigen, lebenswichtigen Frage auf: Ist der Patient wach und kann er sicher schlucken?
Die Erläuterungen zum BPR enthalten einen extrem wichtigen Satz für die Einsatztaktik: Sollte ein Patient mit Hypoglykämie nach der Glucosegabe nicht aufklaren, müssen unbedingt weitere Ursachen für die Bewusstseinsstörung (wie ein Schlaganfall oder eine Hirnblutung) erwogen werden!
💡 MERKE:
Der Grenzwert für Unterzucker liegt bei 60 Milligramm pro Deziliter (Therapie nach Symptomen!).Ist der Patient wach und kann schlucken: Immer orale Gabe bevorzugen! Bei Bewusstlosigkeit: Intravenöse Gabe von 8 bis 10 Gramm Glucose (maximal 20 Prozent, immer mit Tröpfcheninfusion spülen!).Fällt der i.v.-Zugang aus, rettet Glucagon (intramuskulär oder nasal) das Leben, sofern die Leber noch Speicher hat.
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Herzlich willkommen auf den Nieren! Wie kleine Kappen sitzen die Nebennieren auf unseren Nieren. Sie sind die absolut lebenswichtigen Stress-Zentralen unseres Körpers. In ihrer Rinde werden 2 entscheidende Hormone produziert: Cortisol (das Stresshormon, das Energie bereitstellt und Entzündungen hemmt) und Aldosteron (das Hormon, das den Salz- und Wasserhaushalt steuert). Bei der Addison-Krankheit ist diese Rinde zerstört. Der Körper kann absolut nicht mehr auf Stress reagieren. Tritt nun eine Belastung auf, bricht das System lebensgefährlich zusammen.
Die Lebensgefahr in der Krise entsteht durch das gleichzeitige Fehlen dieser beiden Botenstoffe.
Ein Addison-Patient nimmt seine Hormone normalerweise in Tablettenform ein. Eine Krise entsteht, wenn der Körper plötzlich viel mehr Hormone bräuchte, als er zur Verfügung hat.
Die Addison-Krise präsentiert sich als diffuses, aber absolut lebensgefährliches Bild, das uns leicht in die Irre führen kann.
Dies ist einer der wenigen Notfälle, bei denen wir präklinisch die Ursache sofort und ursächlich (kausal) bekämpfen können und müssen!
💡 MERKE:
Die Addison-Krise ist der plötzliche Mangel an Cortisol und Aldosteron. Auslöser sind oft Infekte/Unfälle (bei bekanntem Addison) oder das abrupte Absetzen von Cortison-Präparaten. Das Bild zeigt einen unerklärlichen Schock, Unterzuckerung, Bauchschmerzen (Pseudoperitonitis) und braune Haut. Die lebensrettende Therapie besteht aus 100 Milligramm Hydrocortison i.v., massiver Volumengabe und Glucose.
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Herzlich willkommen an der Drosselklappe des Körpers! Die Schilddrüse (Glandula thyreoidea) liegt schmetterlingsförmig vor unserer Luftröhre. Sie produziert die Hormone T3 (Trijodthyronin) und T4 (Thyroxin). Diese Hormone bestimmen unser Grundtempo: Sie regeln den Herzschlag, die Körpertemperatur, den Energieverbrauch und die Nervenaktivität. Bei einer thyreotoxischen Krise flutet die Schilddrüse den Blutkreislauf schlagartig mit gigantischen Mengen dieser Hormone. Der Körper drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch, während die Bremsen komplett versagen!
Eine Krise entsteht fast nie aus dem Nichts. Meist hat der Patient bereits eine (oft unentdeckte) Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose), die durch einen äußeren Reiz plötzlich komplett entgleist.
Die Symptomatik ist eine dramatische, massive Überaktivierung des Sympathikus (unseres Stress-Nervensystems).
Um die Schwere der Krise einzuschätzen, teilt die Notfallmedizin sie anhand der neurologischen Ausfälle in 3 Stadien ein:
Auf der Straße haben wir keine Medikamente, um die Schilddrüse abzuschalten. Wir müssen die tödlichen Begleitsymptome (das Fieber und den Flüssigkeitsverlust) bekämpfen.
💡 MERKE:
Die Thyreotoxische Krise ist eine lebensgefährliche Überfunktion (der Körper läuft auf 1000 Prozent).Leitsymptome sind extremes Herzrasen, glühendes Fieber (> 40 Grad Celsius) und Unruhe/Koma.Präklinische Auslöser können jodhaltige Medikamente (Amiodaron) oder Desinfektionsmittel sein.Zur Fiebersenkung NIEMALS ASS (Aspirin) geben, da dies den Hormonsturm massiv verstärkt! Physikalisch kühlen!