Die Kooperation mit anderen Fachdiensten und Berufsgruppen gehört zum Alltag im Rettungsdienst. Ziel jeder Zusammenarbeit ist eine bestmögliche, gemeinsame Versorgung der Patienten – erfolgreiches interprofessionelles Arbeiten verlangt dabei gegenseitiges Verständnis sowie Akzeptanz der jeweiligen Kompetenzen und Zuständigkeiten.
Merke: Aus unterschiedlichen Aufträgen können Zielkonflikte entstehen – etwa wenn die Polizei einen Sachverhalt aufklären möchte, während der Rettungsdienst die Schweigepflicht wahren muss. Solche Konflikte lassen sich am besten durch klare Rollenabgrenzung bei respektvollem, kollegialem Umgang lösen.
Die Pflege ist mit rund 1,5 Millionen Beschäftigten die größte Berufsgruppe im Gesundheitswesen. Im häuslichen Umfeld finden sich häufig Pflegeberichte ambulanter Dienste mit wichtigen Informationen zur Anamnese; in der Klinik sind Pflegende der Notaufnahme oft die ersten Ansprechpersonen bei der Übergabe.
Merke: Erwartungen an „die Pflege“ dürfen nicht pauschal sein – ambulanter Dienst, Notaufnahme, Intensivstation oder Herzkatheterlabor haben unterschiedliche Schwerpunkte und Kompetenzen. Wichtig ist ein fairer, kollegialer Umgang mit klarer, verständlicher Darstellung der eigenen Einschätzung bei Übergaben.
Für die Notarztätigkeit ist in der Regel die Zusatzweiterbildung Notfallmedizin erforderlich. Die Erwartungen unterscheiden sich je nach Kontext: Eine niedergelassene Praxisärztin, die einen Transport anordnet, hat andere Anforderungen als der Notarzt am Einsatzort. Bei selteneren Kontakten helfen freundliche, zielorientierte Übergaben und das aktive Klären von Erwartungen.
Häufige Kontakte bestehen mit der Heilerziehungspflege in Wohneinrichtungen, mit Hebammen bei geburtshilflichen Transporten und mit sozialpsychiatrischen Diensten. Hilfreich sind gezielte Fragen wie „Ist diese Lage für Ihren Alltag typisch?“ oder „Welche Informationen benötigen Sie von uns?“ – so wird die Expertise der jeweiligen Fachkraft anerkannt und die eigene Sicht konstruktiv eingebracht.
Die Polizei übernimmt Gefahrenabwehr, Hilfeleistung, Strafverfolgung und Sonderaufgaben wie die Verkehrsregelung. Rettungsdienst und Polizei haben teils gegensätzliche Aufträge – öffentliche Ordnung und Beweissicherung auf der einen, medizinische Versorgung und Schutz der Intimsphäre auf der anderen Seite.
Achtung: Bei akuter Gefährdung, etwa durch bewaffnete Täter, führt die Polizei den Einsatz. Absprachen müssen dann eng und mit klaren Grenzen erfolgen.
Die Feuerwehr hat vier Kernaufgaben: Retten, Löschen, Bergen, Schützen. Kooperation entsteht immer dann, wenn Technik und Medizin zusammentreffen – bei Bränden, Verkehrsunfällen oder Türöffnungen bei vermuteter Hilflosigkeit.
Merke: Bei technisch komplexen Lagen führt die Feuerwehr; für die medizinische Beurteilung ist sie auf die Expertise des Rettungsdienstes angewiesen.
In Deutschland finden jährlich über 100.000 Luftrettungseinsätze statt, die typische Besatzung besteht aus Pilot, Notarzt und speziell qualifiziertem Notfallsanitäter (HEMS-TC). Der Rettungshubschrauber bringt Notärzte und Spezialisten sehr schnell zum Einsatzort und ermöglicht oft einen schonenden Transport, hat während des Fluges aber nur eingeschränkte Behandlungsmöglichkeiten. Bodengebundene Rettungsmittel sind dagegen wetterunabhängig und bieten bessere Lagerungs- und Geräteoptionen, benötigen je nach Strecke aber länger.
Merke: Bei abweichenden fachlichen Einschätzungen zwischen bodengebundenem und Luftrettungsteam ist entscheidend, wer aktuell die medizinische Verantwortung trägt – in der Regel geht diese mit der Übergabe auf die weiterbehandelnde Person über.
Das THW ist die zivile Katastrophenschutzeinheit des Bundes mit rund 80.000 Ehrenamtlichen. Die direkte Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst ist selten, gelegentlich unterstützt das THW jedoch technische Maßnahmen der Feuerwehr – hier gelten dieselben Grundsätze wie in der Kooperation mit der Feuerwehr.
Je nach Gewässer sind unterschiedliche Organisationen zuständig – Wasserwacht und DLRG im Binnenland, die DGzRS auf See. Das typische Notfallgeschehen unterscheidet sich stark je nach Einsatzgebiet: an der Nordsee eher tidebedingte Lagen, an Baggerseen häufiger Tauchunfälle.
Merke: Bodengebundenes Rettungsdienstpersonal sollte die örtlichen Wasserrettungspartner kennen und typische Wassernotfälle wie Ertrinken sicher einschätzen können – gemeinsame Übungen sind hier besonders wertvoll.
In Deutschland übernimmt die Bergwacht die Bergrettung mit speziell und oft mehrjährig ausgebildeten Kräften. Rettungsteams müssen dabei seltene, aber gebirgstypische Notfallbilder sicher beherrschen – schwere Unterkühlung, Hängetrauma oder Höhenkrankheit; Transporte erfolgen oft über unwegsames Gelände mit mehrfachen Umlagerungen.
Die strategische Zuständigkeit liegt beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, die operative Verantwortung bei den Ländern. Den Katastrophenfall ruft in der Regel der Landrat oder die Oberbürgermeisterin aus. Die Gliederung umfasst üblicherweise mindestens Sanitätswesen, Betreuung, Brandschutz, technische Hilfe, ABC-Schutz sowie die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) – für den Rettungsdienst sind vor allem die patientennahen Bereiche relevant.