International anerkannte Kurssysteme folgen aktuellen wissenschaftlichen Leitlinien und schaffen einheitliche Vorgehensweisen über Länder- und Berufsgruppengrenzen hinweg. „Zertifiziert“ bedeutet: Wer den Kurs erfolgreich abschließt, erhält ein Zertifikat, das in allen angeschlossenen Ländern – meist weltweit – anerkannt wird. Auch in Deutschland gewinnt die Teilnahme an solchen Kursen zunehmend an Bedeutung und wird von Arbeitgebern immer häufiger erwartet.
Viele dieser Kurse richten sich nicht nur an Ärzte, sondern ausdrücklich auch an Rettungsdienstpersonal – einige Beispiele:
Kurse wie ATLS (Advanced Trauma Life Support) oder ETC (European Trauma Course) richten sich dagegen ausschließlich an Ärztinnen und Ärzte, etwa aus Unfallchirurgie oder Anästhesie, für das strukturierte Schockraummanagement.
Daneben gibt es Kurse für die Basisversorgung, etwa den BLS- bzw. ILS-Kurs des European Resuscitation Council zur Reanimation mit AED, pädiatrische Kurse wie EPLS oder PALS sowie Kurse zur Versorgung älterer Menschen wie GEMS (Geriatric Education for Emergency Medical Services). Alle Kurse haben gemeinsam, dass sie mit realistischen Fallbeispielen arbeiten und nicht nur Wissen, sondern auch Teamarbeit und Kommunikation trainieren.
Die meisten dieser Kurse basieren auf denselben Grundprinzipien: früh zwischen kritischem und nicht kritischem Patienten unterscheiden, nach Prioritäten behandeln – „zuerst behandeln, was zuerst tötet“ – und eine einheitliche Sprache mit gemeinsamen Werkzeugen wie ABCDE, OPQRST und SAMPLER nutzen. Genau dieses strukturierte Vorgehen habt ihr in eurer Ausbildung bereits als zentrales Handwerkszeug kennengelernt.
Merke: Das strukturierte Vorgehen mit ABCDE – bei Bedarf ergänzt um OPQRST und SAMPLER – reduziert das Risiko, relevante Probleme zu übersehen, gerade unter dem Stress eines echten Einsatzes.
Vier bis sechs Wochen vor Kursbeginn erhalten die Teilnehmenden Unterlagen zur Vorbereitung – Lehrplan, Fachbuch und einen unbewerteten Eingangstest, um zu Kursstart einen einheitlichen Wissensstand sicherzustellen. Im Kurs wechseln sich Vorträge und praxisnahe Übungen in professionsgemischten Gruppen ab, typischerweise mit einem Instruktor-Teilnehmer-Verhältnis von 1:3 bis 1:4 für intensives, praxisnahes Lernen.
Am Ende steht ein schriftlicher Abschlusstest und/oder eine praktische Prüfung mit Fallbeispiel – üblich sind mindestens 75 Prozent richtige Antworten zum Bestehen der Theorie. Wer diese Hürde verfehlt, kann die Prüfung in einem späteren Kurs wiederholen; die praktische Prüfung darf noch im selben Kurs einmal wiederholt werden.
Der größte Vorteil ist die gemeinsame Sprache: Eine einheitliche Terminologie – etwa „Patient mit B-Problem“ für ein Ventilationsproblem – erleichtert die interprofessionelle Abstimmung erheblich, gerade in Ad-hoc-Teams aus unterschiedlichen Berufsgruppen. Zertifikate gelten oft länderübergreifend, die Inhalte werden regelmäßig an aktuelle wissenschaftliche Evidenz angepasst, und das interprofessionelle Training ohne starre Hierarchieschranken stärkt das gemeinsame Teamdenken.
Merke: Der wesentliche Nachteil sind die Kosten – standardisierte Zwei-Tages-Kurse für Rettungsdienstpersonal liegen meist im Bereich von 600 bis 800 Euro, ärztliche Kurse wie ATLS oft deutlich darüber.
Für Rettungssanitäterinnen und Rettungssanitäter bieten sich besonders Kurse an, die strukturierte Beurteilung und Basismaßnahmen trainieren: ein Reanimationskurs nach ERC-Standard, ein Trauma-Kurs wie PHTLS oder ITLS, ein Kurs zu internistischen Notfällen wie AMLS sowie ein pädiatrischer Kurs. Viele Arbeitgeber rechnen solche Kurse auf die jährliche Fortbildungspflicht an und übernehmen die Kosten ganz oder teilweise – fragt vor der Anmeldung nach.
Die Zertifikate sind in der Regel zwei bis vier Jahre gültig und müssen danach in einem kürzeren Auffrischungskurs erneuert werden. Das ist sinnvoll, denn praktische Fertigkeiten wie Reanimation oder Immobilisation gehen ohne regelmäßiges Training erstaunlich schnell verloren. Wer später die Ausbildung zum Notfallsanitäter anstrebt, profitiert zusätzlich: Die strukturierten Algorithmen der Kurse sind eine gute Grundlage für die weitere Qualifikation.