Bevor die eigentliche Versorgung eines Patienten beginnen kann, steht am Einsatzort häufig ein erster, kritischer Schritt: die Rettung aus einer akut gefährlichen oder zwangsweisen Lage. Retten bedeutet, eine Person aus einer lebensbedrohlichen Situation zu befreien und dabei so wenig zusätzlichen Schaden wie möglich anzurichten. Welche Technik zum Einsatz kommt, richtet sich immer nach dem Zustand des Patienten, dem Unfallmechanismus und der konkreten Gefahrenlage. Als Grundregel gilt: Je geringer die akute Gefahr, desto schonender und langsamer darf vorgegangen werden. Besteht dagegen unmittelbare Lebensgefahr, etwa durch Feuer oder einen Kreislaufstillstand, tritt der Schutz der Wirbelsäule zugunsten der schnellen Befreiung in den Hintergrund. Alle Schritte werden im Team abgesprochen, und der Eigenschutz hat für das Rettungsdienstpersonal jederzeit oberste Priorität.
Findet die Rettung an einer technischen Einsatzstelle statt, etwa nach einem Verkehrsunfall mit eingeklemmter Person, arbeiten Rettungsdienst und Feuerwehr eng zusammen. Während die Feuerwehr das Fahrzeug gegen Wegrollen sichert, den Brandschutz aufbaut und bei Bedarf mit hydraulischem Gerät Zugänge schafft, übernimmt das Rettungsdienstpersonal die durchgehende medizinische Betreuung: Es sichert die Halswirbelsäule manuell, verschafft sich einen ersten Überblick über den Zustand des Patienten und schützt ihn mit einer Decke oder Folie vor Glassplittern, Lärm und Staub. Eine ruhige, vorausschauende Kommunikation – etwa der Hinweis, dass es beim Trennen von Blech gleich laut wird – nimmt dem Patienten in dieser oft angsteinflößenden Situation einen Teil der Anspannung. Für die eigentliche Handhabung der Rettungsgeräte ist die Feuerwehr zuständig; das Rettungsdienstpersonal muss deren Grundprinzipien jedoch kennen, um die Versorgung sinnvoll darauf abzustimmen.
Ein Schutzhelm bewahrt bei einem Unfall zwar vor direkten Kopfverletzungen, wird bei einem bewusstlosen Patienten jedoch selbst zum Problem: Er kann Verletzungen verdecken, erschwert die Beurteilung und Freihaltung der Atemwege und verhindert eine sichere Lagerung in die stabile Seitenlage. Ohne Abnahme des Helms besteht daher bei Bewusstlosigkeit eine erhebliche Aspirationsgefahr.
Merke: Unter einem Helm können Verletzungen verborgen bleiben, und ohne Helmabnahme ist bei einem bewusstlosen Patienten kein zuverlässiger Aspirationsschutz möglich.
Die Helmabnahme wird grundsätzlich im Zweier-Team durchgeführt, um die Halswirbelsäule während des gesamten Vorgangs kontinuierlich zu sichern:
Bei wachen Patienten mit Nackenschmerzen, aber ohne akute Gefährdung, verbleibt der Helm zunächst am Kopf; die weitere Vorgehensweise wird dann in Absprache mit dem Notarzt festgelegt.
Rettungsgriffe unterscheiden sich grundlegend von einer schonenden Umlagerung: Sie sind grob, bergen selbst ein gewisses Verletzungsrisiko und sind ausschließlich für akute Notsituationen gedacht, in denen jede Verzögerung gefährlicher wäre als der Griff selbst.
Der Rautek-Rettungsgriff kommt zum Einsatz, wenn ein Patient sehr rasch aus einer unmittelbaren Gefahrenzone – etwa einem brennenden Fahrzeug oder bei einsetzender Reanimationspflicht – bewegt werden muss und keine Zeit für eine schonendere Methode bleibt. Der Helfer greift von hinten unter den Achseln des Patienten hindurch, umfasst mit beiden Händen einen Unterarm im sogenannten Affengriff und zieht den Patienten mit dem eigenen Körpergewicht rückwärtsgehend aus der Gefahrenzone. Dabei wird die Wirbelsäule bewegt, sodass bestehende Verletzungen verschlimmert werden können; auch Verletzungen an Rippen, Armen oder Schultern sind möglich. Dieses Risiko wird jedoch bewusst in Kauf genommen, da der Patient in der akuten Gefahr sonst sterben würde. Bei sitzenden Patienten, etwa im Pkw, werden zuvor Zündung und Sicherheitsgurt gelöst und die Beine so weit wie möglich befreit, bevor der Patient zur Helferseite gedreht und nach demselben Prinzip herausgezogen wird.
Merke: Der Rautek-Rettungsgriff dient ausschließlich der Rettung aus akuter Lebensgefahr, niemals dem routinemäßigen Umlagern.
Bei einer lebensbedrohlichen Verlegung der Atemwege durch einen Fremdkörper wird stufenweise vorgegangen. Solange der Patient noch kräftig hustet, sprechen oder schreien kann, strömt noch Luft an der Verlegung vorbei – in diesem Fall wird er lediglich zum Weiterhusten ermutigt, ohne körperlichen Eingriff. Wird der Husten kraftlos oder bleibt er ganz aus, verfärben sich die Lippen bläulich, besteht akute Erstickungsgefahr. Zunächst werden bis zu fünf kräftige Schläge zwischen die Schulterblätter gegeben, den Oberkörper des Patienten dabei nach vorne geneigt. Bleibt dies erfolglos, folgt der eigentliche Heimlich-Handgriff: Von hinten wird der Oberbauch umfasst, eine Faust zwischen Nabel und unterem Rippenbogen platziert und mit der zweiten Hand umschlossen, anschließend erfolgt eine ruckartige Kompression schräg nach oben in Richtung Zwerchfell, ebenfalls bis zu fünfmal. Rückenschläge und Bauchkompressionen werden im Wechsel wiederholt, bis der Fremdkörper sich löst oder der Patient das Bewusstsein verliert. Verliert der Patient das Bewusstsein, wird der Handgriff sofort abgebrochen und unverzüglich mit der Reanimation begonnen, da die Thoraxkompressionen einen noch höheren Druck erzeugen und den Fremdkörper mitunter herausbefördern können.
Merke: Der Heimlich-Handgriff ist die letzte Eskalationsstufe bei akuter Atemwegsverlegung – erst nach erfolglosem Husten und erfolglosen Rückenschlägen einsetzen, bei Säuglingen unter einem Jahr ist er wegen der Gefahr schwerer Organverletzungen kontraindiziert.
Bei Säuglingen wird stattdessen in Bauchlage auf dem eigenen Unterarm mit kräftigen, aber kontrollierten Schlägen zwischen die Schulterblätter gearbeitet; Kompressionen des Bauchraums bleiben in diesem Alter tabu. Bei hochschwangeren oder stark übergewichtigen Patienten wird der Handgriff nicht am Bauch, sondern am unteren Drittel des Brustbeins angesetzt.
Die richtige Lagerung zählt zu den ersten und wirksamsten Maßnahmen im Rettungsdienst – oft noch bevor Medikamente oder Geräte überhaupt zum Einsatz kommen. Viele Patienten nehmen instinktiv eine Haltung ein, die ihnen bereits Erleichterung verschafft; eine Lageänderung erfolgt daher nur bei klarer medizinischer Indikation, niemals gegen den erkennbaren Willen oder das Empfinden des Patienten. Zu den gebräuchlichsten Lagerungen zählen die stabile Seitenlage, die Schocklage, die Oberkörperhochlagerung, die bauchdeckenschonende Lagerung, die Fritsch-Lagerung sowie die Linksseitenlage bei Schwangeren.
Merke: Jede Lagerung soll die zugrunde liegende Erkrankung oder Verletzung gezielt unterstützen – sie wird wie ein Medikament gezielt eingesetzt, nicht schematisch angewendet.
Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen sämtliche Schutzreflexe: In Rückenlage kann die Zunge zurückfallen und die Atemwege verlegen, zugleich fehlt der Hustenreflex, sodass Erbrochenes oder Blut leicht in die Lunge gelangen und zum Ersticken führen kann. Atmet ein bewusstloser Patient normal, wird er deshalb zur Aspirationsprophylaxe in die stabile Seitenlage gebracht, etwa bei einer Alkoholintoxikation oder in der Phase nach einem Krampfanfall. Auch eine Thoraxverletzung spricht nicht gegen diese Lagerung: Der Patient wird dann auf die verletzte Seite gedreht, damit die gesunde Lungenseite ihre Beweglichkeit behält und besser belüftet werden kann.
Beim Standardablauf werden Arme und Beine des Patienten in eine stabile Ausgangsposition gebracht, bevor er über das ferne Knie zum Helfer hin gedreht wird; der Kopf wird überstreckt, sodass der Mund als tiefster Punkt liegt und Sekrete frei abfließen können. Auf der Fahrtrage erfolgt die Drehung mit zwei Helfern gemeinsam, wobei Kopf und Oberkörper stets kontrolliert mitgeführt werden.
Merke: Schwangere werden grundsätzlich linksseitig in die stabile Seitenlage gebracht, um die große Hohlvene zu entlasten.
Der klassischen Schocklage liegt das Prinzip der Autotransfusion zugrunde: Werden die Beine angehoben, fließt Blut aus den unteren Extremitäten zentral zurück und unterstützt kurzfristig die Durchblutung von Gehirn und lebenswichtigen Organen. Sie eignet sich ausschließlich bei relativem oder absolutem Volumenmangel, etwa nach starkem äußerem Blutverlust, und nur bei wachen, spontanatmenden Patienten – die Beine werden dabei etwa 30 Zentimeter angehoben.
Bei zahlreichen Zuständen ist die klassische Schocklage jedoch ausdrücklich kontraindiziert. Man kann sich die wichtigsten Ausschlusskriterien mit den sogenannten „6 Bs" merken, ergänzt um Bewusstlosigkeit und starke Unterkühlung:
Bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung darf keinesfalls durch aktives Anheben der Beine gearbeitet werden; stattdessen kommen Spineboard, Schaufeltrage oder Tragetisch zum Einsatz, mit denen die Beine angehoben werden können, ohne die Wirbelsäule zu bewegen. Beim kardiogenen Schock ist die Schocklage ebenfalls verboten, da das ohnehin geschwächte Herz durch den zusätzlichen venösen Rückstrom überlastet würde – hier wird der Oberkörper stattdessen leicht erhöht gelagert, bei sehr niedrigem Blutdruck notfalls flach. Ist der Patient bewusstlos, hat der Atemwegsschutz durch die stabile Seitenlage Vorrang; bei Bedarf kann das Fußteil der Trage zusätzlich abgesenkt werden.
Bei der Oberkörperhochlagerung wird der Oberkörper mindestens 30 Grad höher gelagert als die Beine, häufig auch deutlich weiter bis zum aufrechten Sitzen. Diese Position wirkt gleich auf mehreren Ebenen: Am Herzen verringert sie den venösen Rückstrom über die untere Hohlvene und entlastet dadurch das rechte Herz sowie die Lunge. An der Atmung erleichtert sie durch die aufrechtere Haltung die Beweglichkeit von Zwerchfell, Zwischenrippen- und Atemhilfsmuskulatur. Bei Verdacht auf ein Schädel-Hirn-Trauma oder erhöhten Hirndruck verbessert eine Oberkörperhochlagerung von etwa 30 Grad bei gleichzeitig neutral gehaltenem Kopf den venösen Abfluss aus dem Schädel und kann so den intrakraniellen Druck senken. Indiziert ist diese Lagerung unter anderem bei Atemnot infolge Asthma, COPD oder Lungenödem, beim akuten Koronarsyndrom ohne Schockzeichen sowie bei neurologischen Notfällen wie Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma.
Merke: Die Oberkörperhochlagerung erleichtert die Atmung und entlastet den Kreislauf – bei erhöhtem Hirndruck ist zusätzlich auf eine neutrale Kopfstellung zu achten, da ein abgeknickter Hals den venösen Abfluss behindert.
Ein akutes Abdomen oder eine Bauchverletzung reizt das Bauchfell und führt zu starken Schmerzen bis hin zu einer reflexartig verhärteten, „brettharten" Bauchdecke. Gelagert wird der Patient flach auf dem Rücken, wobei eine Knierolle unter beiden Kniekehlen die Beine leicht anwinkelt; ergänzend kann der Kopf leicht erhöht werden.
Merke: Das Anwinkeln der Knie nimmt die Spannung aus der Bauchmuskulatur und lindert die peritoneale Reizung spürbar.
Die Fritsch-Lagerung wird bei gynäkologischen Notfällen mit vaginaler Blutung angewendet, etwa bei starker Regelblutung oder nach der Geburt der Plazenta. Ziel ist es, die Blutmenge grob abzuschätzen und zugleich einen gewissen Infektionsschutz zu gewährleisten. Die Patientin liegt dabei flach auf dem Rücken, das Becken wird leicht erhöht gelagert, eine große sterile Vorlage vor den Genitalbereich gelegt und die gestreckten Beine mit übereinandergelegten Sprunggelenken positioniert. Bei stärkerer Blutung sammelt sich diese zusätzlich in der Rinne zwischen den Oberschenkeln, was eine ungefähre Mengenabschätzung erlaubt. Zeigt die Patientin Schockzeichen, wird die Fritsch-Lagerung mit einer modifizierten Kopftieflage kombiniert.
Ab etwa dem dritten Trimenon kann der schwere Uterus in Rückenlage die untere Hohlvene gegen die Wirbelsäule drücken. Die Folge ist ein reduzierter venöser Rückstrom zum Herzen mit Blutdruckabfall und Schockzeichen wie Blässe, Kaltschweißigkeit und Atemnot – betroffen sind sowohl die Mutter als auch, über eine verminderte Plazentadurchblutung, das ungeborene Kind. Abhilfe schafft die Linksseitenlage, notfalls auch nur durch Unterpolsterung der rechten Hüfte um etwa 15 bis 30 Grad oder durch manuelles Verschieben des Uterus nach links: So wird die Hohlvene entlastet und der venöse Rückstrom normalisiert sich.
Nach Frakturen oder bei Verdacht auf eine Verletzung von Wirbelsäule oder Becken ist eine gezielte Ruhigstellung eine der wichtigsten Basismaßnahmen. Sie verhindert ungewollte Bewegungen, reduziert Schmerzen und beugt weiteren Schäden vor. Der Rettungsdienst verfügt dafür über ein abgestuftes System an Hilfsmitteln, die häufig kombiniert eingesetzt werden.
Verletzungen des Rückenmarks sind selten, im Ernstfall aber folgenschwer, weshalb Traumakonzepte eine frühzeitige Immobilisation vorsehen – insbesondere von Halswirbelsäule und Becken. Die routinemäßige Anlage einer Zervikalstütze wird allerdings seit einiger Zeit differenzierter betrachtet: Bei einem wachen, ansprechbaren Patienten ohne Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule, ohne Muskelhartspann, ohne sensomotorische Ausfälle und ohne relevante Begleitverletzungen ist eine Immobilisation in der Regel nicht erforderlich. Besteht dagegen ein konkreter Verdacht auf eine HWS-Verletzung, wird die Stütze in passender Größe angelegt.
Die Anlage erfolgt stets im Zweier-Team: Ein Helfer stabilisiert von hinten die Halswirbelsäule in Neutralposition, während der zweite den Abstand zwischen Kinn und Schulter misst, die Größe entsprechend einstellt, die Stütze von vorne anlegt und den Klettverschluss schließt – erst danach löst der erste Helfer seinen manuellen Griff.
Merke: Eine isolierte Zervikalstütze reicht bei einer instabilen HWS-Verletzung nicht aus. Sie wird immer zusammen mit einer Immobilisation der gesamten Wirbelsäule eingesetzt, üblicherweise in Kombination mit Schaufeltrage und Vakuummatratze.
Die zweiteilige, längenverstellbare Schaufeltrage dient der besonders schonenden Aufnahme und Umlagerung eines Patienten vom Boden. Ursprünglich für den Verdacht auf Wirbelsäulenverletzungen entwickelt, wird sie heute aufgrund ihrer einfachen und achsengerechten Handhabung breiter eingesetzt. Kopf- und Fußende lassen sich öffnen und seitlich in der Länge anpassen, sodass die beiden Hälften mit minimaler Bewegung des Patienten von rechts und links untergeschoben und anschließend verriegelt werden können – zunächst kopfseitig, dann fußseitig. Während des gesamten Vorgangs hält ein Helfer den Kopf in Neutralstellung, während die übrigen Helfer den Körper achsengerecht anheben.
Merke: Die Schaufeltrage dient ausschließlich dem Umlagern, nicht dem Transport – der Patient wird nach der Aufnahme zeitnah auf die Vakuummatratze umgebettet.
Die Vakuummatratze besteht aus einer weichen, mit feinem Granulat gefüllten Hülle, die sich nach dem Absaugen der Luft passgenau und formstabil um den Körper des Patienten legt. Zusammen mit Zervikalstütze und Schaufeltrage zählt sie zu den schonendsten verfügbaren Immobilisationssystemen, benötigt allerdings etwas Vorbereitungszeit. Eingesetzt wird sie zur Immobilisation von Wirbelsäule, Rumpf und Becken sowie zur Fixierung von Hüft-, Schenkelhals- und Oberschenkelfrakturen entlang der Körperachse.
Bei liegendem oder auf der Seite befindlichem Patienten wird die Matratze glattgestrichen, der Patient mit der Schaufeltrage darauf umgebettet, die Schaufeltrage entfernt und die Matratze anschließend anmodelliert und abgesaugt, bis eine schalenförmige Fixierung entsteht; abschließend wird der Patient zusätzlich gegurtet. Bei Bauchlage kommt die sogenannte Sandwich-Technik zum Einsatz, bei der der Patient zwischen zwei Vakuummatratzen eingebettet und so vollständig immobilisiert und dabei sogar drehbar wird – diese Technik ist jedoch nur bei stabiler Vitalfunktion vertretbar.
Merke: Ein Patient darf niemals allein in der Vakuummatratze getragen werden.
Das Spineboard ist eine starre, glatte Platte mit zahlreichen Griffmöglichkeiten sowie Gurt- und Kopffixiersystemen. In der Praxis dient es meist als Rettungsgerät auf unbefestigtem Untergrund oder für kurze Wegstrecken, seltener als eigentliche Transportlagerung. Mindestens drei Helfer sind für die Anwendung erforderlich: Während ein Helfer den Kopf in Neutralstellung hält, drehen die übrigen den Patienten achsengerecht um 90 Grad zur Seite, das Board wird senkrecht hinter dem Rücken positioniert, und der Patient wird gemeinsam mit dem Board wieder in Rückenlage zurückgedreht. Abschließend werden Gurte beziehungsweise Fixierspinnen sowie ein Kopffixierpolster angelegt.
Merke: Mit korrekt angelegtem Kopffixierpolster lässt sich die Restbeweglichkeit der Halswirbelsäule nahezu vollständig ausschalten. Da die harte Auflagefläche jedoch schnell zu Druckschäden führt, sollte die Liegedauer auf dem Spineboard so kurz wie möglich gehalten werden.
Eine Fraktur ist die vollständige oder teilweise Unterbrechung der Kontinuität eines Knochens, meist durch plötzliche Krafteinwirkung, und geht in aller Regel mit starken Schmerzen und einer erkennbaren Schonhaltung einher. Die Ruhigstellung erfolgt so früh wie möglich nach einem festen Grundschema: Zugang zur Verletzung schaffen und dafür nötige Kleidung entfernen, Blutungen stillen, offene Wunden steril abdecken, Durchblutung, Motorik und Sensibilität prüfen, sichtbare Frakturenden großzügig polstern und schließlich die Extremität einschließlich je eines Gelenks ober- und unterhalb der Fraktur schienen. Nach dem Anlegen der Schiene wird die periphere Durchblutung, Motorik und Sensibilität erneut kontrolliert.
Merke: Schienen bedeutet immer, die benachbarten Gelenke mit ruhigzustellen – eine Schiene, die nur den Knochen selbst umfasst, reicht nicht aus.
Für die Ruhigstellung stehen verschiedene Hilfsmittel zur Verfügung. Pneumatische Schienen bestehen aus Kunststoff mit Luftkammern, werden im drucklosen Zustand angelegt und anschließend über ein Ventil aufgepumpt; für offene Frakturen sind sie jedoch ungeeignet, da keine druckfreie Wundversorgung möglich ist. Vakuumschienen funktionieren nach demselben Prinzip wie die Vakuummatratze: anlegen, anmodellieren, absaugen und mit Klettverschlüssen nachjustieren, bis eine formstabile Ruhigstellung erreicht ist. SAM®-Splint-Schienen sind leichte Universalschienen mit einem Aluminiumkern in einem Schaumstoffmantel, die ohne Zusatzgeräte auskommen und sich besonders für Unterarm-, Sprunggelenks-, Unterschenkel- und Fingerfrakturen eignen. Sie werden zunächst an der gesunden Extremität auf die passende Länge angepasst und vorgeformt, bevor sie angelegt und mit einer elastischen Binde fixiert werden. Für maximale Stabilität kommen dabei typische Faltungen zum Einsatz: die C-Kurve, bei der die Schiene in Längsrichtung leicht gewölbt wird, die umgeschlagene C-Kurve mit zusätzlich nach außen umgeschlagenen Kanten für mehr Festigkeit, sowie die T-Faltung, bei der die Schiene längs gefaltet und die Außenkanten umgebogen werden, wodurch ein besonders steifer T-Balken entsteht.