Eine Störung der Atmung wird als respiratorische Insuffizienz bezeichnet. Hauptsymptom ist die Atemnot (Dyspnoe), bei der die Lunge nicht mehr genügend Sauerstoff ins Blut abgibt, sodass Organe unterversorgt werden. Sichtbares Zeichen ist die Zyanose, eine bläuliche Verfärbung von Haut und Schleimhäuten. Unbehandelt führt Atemnot immer zur Gefahr der Hypoxie, die bis zur Bewusstlosigkeit und im schlimmsten Fall zum Atemstillstand führen kann.
Merke: Ein exspiratorischer Stridor (Atemgeräusch beim Ausatmen) weist auf eine Verengung der unteren Atemwege hin, ein inspiratorischer Stridor (Atemgeräusch beim Einatmen) auf eine Verengung der oberen Atemwege.
Die COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist ein Sammelbegriff für chronisch obstruktive, fortschreitende Lungenerkrankungen mit Husten, zähem Auswurf und Belastungsdyspnoe. Die Verengung der Atemwege – vor allem der Ausatmung – lässt sich medikamentös nicht vollständig rückgängig machen. Meist treten dabei chronische Bronchitis und Lungenemphysem gemeinsam auf. Hauptursache ist langjähriges Rauchen.
Anders als Asthma, das meist im Kindes- oder Jugendalter beginnt, anfallsartig verläuft und gut auf Kortison anspricht, entsteht COPD typischerweise ab dem 40. Lebensjahr und schreitet stetig, kaum rückbildungsfähig, fort – häufig mit akuten Verschlechterungen (Exazerbationen).
Typische Beschwerden sind produktiver Husten vor allem morgens, zunehmende Belastungs- bis Ruhedyspnoe, eine Blaufärbung an Lippen und Fingern (Akrozyanose), verlängerte Ausatmung mit Giemen und Brummen sowie leise Atemgeräusche. Durch den chronisch erhöhten Widerstand in den Atemwegen entsteht langfristig eine Druckbelastung des rechten Herzens – das sogenannte Cor pulmonale.
Merke: Wichtigste Basismaßnahme ist das Meiden schädigender Stoffe, allen voran der Rauchstopp – die eigentliche medikamentöse Langzeittherapie wird ärztlich gesteuert.
Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege mit anfallsartig auftretender, schwerer Atemnot. Die Atemnot entsteht durch eine Trias aus Schleimhautschwellung, Bronchospasmus und vermehrter Schleimbildung, die vor allem die Ausatmung erschwert. Man unterscheidet das allergische (extrinsische) Asthma, ausgelöst durch Pollen, Hausstaubmilben, bestimmte Medikamente oder Nahrungsmittel, vom nichtallergischen (intrinsischen) Asthma, das eher durch Infekte, Belastung, Kälte oder Stress getriggert wird.
Achtung: Dauert ein Anfall länger als 24 Stunden oder treten mehrere Anfälle unmittelbar hintereinander auf, spricht man von einem Status asthmaticus – einem lebensbedrohlichen Zustand.
Typische Symptome sind unproduktiver Reizhusten, Ruhedyspnoe mit hoher Atemfrequenz und verlängerter Ausatmung, Akrozyanose, plötzlicher, anfallsartiger Beginn mit starker Todesangst, der Einsatz der Atemhilfsmuskulatur in typischer sitzender Haltung mit abgestützten Armen (Orthopnoe), exspiratorisches Giemen sowie Tachykardie und erhöhter Blutdruck als Stressreaktion.
Der Notarzt ergänzt diese Maßnahmen um einen venösen Zugang, eine Infusion zur Schleimlösung, eine Inhalationstherapie mit bronchialerweiternden Wirkstoffen, systemisches Kortison zur Abschwellung sowie bei Bedarf eine vorsichtige Sedierung.
Eine Pneumonie (Lungenentzündung) ist eine akute oder chronische Entzündung des Lungengewebes und zählt in den westlichen Industrienationen zu den häufigsten tödlich verlaufenden Infektionskrankheiten. Sie wird meist durch Bakterien oder Viren ausgelöst, seltener durch physikalische oder chemische Reize wie eine Magensaftaspiration, und überträgt sich vor allem über Tröpfcheninfektion.
Achtung: Pneumonien sind infektiöse Erkrankungen und stellen sowohl für Patienten als auch für das Rettungspersonal ein Infektionsrisiko dar. Konsequente Hygiene – Händedesinfektion, Schutzkleidung, bei Bedarf Mund-Nasen-Schutz für den Patienten – ist der wichtigste Schutz.
Eine bakterielle Pneumonie beginnt oft abrupt mit Schüttelfrost, hohem Fieber und produktivem Husten mit feuchten Rasselgeräuschen; eine virale Pneumonie entwickelt sich meist langsamer, mit moderatem Fieber und trockenem, anhaltendem Husten. Gefährliche Komplikationen sind eine respiratorische Insuffizienz, eine Sepsis oder eine Eiteransammlung im Pleuraspalt.
Unter Aspiration versteht man das Eindringen fester oder flüssiger Stoffe in die Atemwege während der Einatmung – häufig Nahrungsreste, Erbrochenes, Blut oder Fremdkörper. Besonders gefährdet sind Säuglinge und Kleinkinder sowie ältere oder alkoholisierte Personen mit geschwächten Schutzreflexen.
Ein Bolusgeschehen ist die extremste Form: Ein größerer Fremdkörper blockiert die oberen Atemwege ganz oder teilweise. Neben der akuten Erstickungsgefahr kann der Fremdkörper den Vagusnerv an der Rachenhinterwand reizen und dadurch reflektorisch einen Kreislaufstillstand auslösen – den sogenannten Bolustod.
Typische Zeichen einer Atemwegsverlegung sind heftiger Husten, starke Atemnot mit inspiratorischem Stridor, beschleunigte Atmung, Zyanose, Unruhe und Todesangst, Tachykardie – bei Bolusverlegung auch Bradykardie – sowie im schlimmsten Fall Atem- und Kreislaufstillstand.
Das Hyperventilationssyndrom tritt vor allem bei Angst, Stress, Wut, starken Schmerzen oder Schreck auf: Die Atmung wird schneller und flacher und kann sich bis zur Hyperventilation steigern – schnellen, tiefen Atemzügen, bei denen deutlich mehr Kohlendioxid abgeatmet wird, als der Körper produziert. Der CO₂-Gehalt im Blut sinkt (Hypokapnie), der pH-Wert steigt (respiratorische Alkalose), wodurch freies Kalzium vermehrt an Eiweiße gebunden wird und die Muskeln übererregbar werden.
Erste Anzeichen sind Kribbeln in Fingern und um den Mund, später Muskelkrämpfe mit typischer Pfötchenstellung der Hände sowie Bronchospasmen, die das Gefühl von Atemnot und Erstickungsangst weiter verstärken – ein sich selbst verstärkender Kreislauf aus Panik und Überatmung.
Merke: Das Hyperventilationssyndrom ist nicht lebensbedrohlich und die Ursache in der Regel psychisch bedingt. Wichtigste Maßnahme ist es, den Patienten ruhig anzusprechen und die Atmung bewusst anzuleiten – etwa durch Rückatmung des ausgeatmeten CO₂ in eine Tüte oder mit einer Hyperventilationsmaske, wodurch sich der CO₂-Gehalt im Blut normalisiert und Kribbeln sowie Krämpfe zurückgehen.
Gelingt eine Beruhigung nicht, wird der Notarzt hinzugezogen, der nach Anlage eines venösen Zugangs gegebenenfalls ein Sedativum einsetzt, um den Kreislauf der Überatmung zu durchbrechen.