Reanimation, medizinisch auch kardiopulmonale Reanimation (CPR) genannt, bezeichnet die Gesamtheit der Maßnahmen, mit denen ein Kreislaufstillstand überbrückt werden soll, bis das Herz seine Pumpfunktion selbstständig wieder aufnimmt oder erweiterte Hilfe eintrifft. Für dich als Rettungssanitäter:in ist die Beherrschung der Basismaßnahmen – des sogenannten Basic Life Support (BLS) – eine der wichtigsten Fähigkeiten überhaupt, denn du bist es, der oder die im Rettungsdienst als Erste:r mit strukturierter Reanimation beginnt.
Ein Herz-Kreislauf-Stillstand liegt vor, wenn das Herz keine wirksame Pumpleistung mehr erbringt. In der Folge fehlen ein tastbarer Puls, ein messbarer Blutdruck und die Sauerstoffversorgung sämtlicher Organe bricht zusammen. Man spricht in dieser Phase vom klinischen Tod – einem Zustand, der zu Beginn durch konsequente Reanimationsmaßnahmen noch umkehrbar ist.
Besonders empfindlich reagiert das Gehirn auf den plötzlichen Sauerstoffmangel: Bereits nach wenigen Sekunden setzt Bewusstlosigkeit ein, kurz darauf kommt die Atmung zum Erliegen – häufig zunächst in Form einer unregelmäßigen, schnappenden Atmung, die keine ausreichende Sauerstoffversorgung mehr gewährleistet. Nach etwa einer Minute können weite, lichtstarre Pupillen sowie Krampfanfälle auftreten. Bleibt die Sauerstoffzufuhr länger als etwa drei Minuten unterbrochen, drohen irreversible Hirnschäden.
Merke: Schnappatmung ist kein Zeichen einer ausreichenden Eigenatmung, sondern ein Alarmsignal für einen Kreislaufstillstand. Im Zweifel gilt: sofort mit der Reanimation beginnen. Das Risiko, fälschlich zu reanimieren, ist deutlich geringer als das Risiko, durch Zögern wertvolle Zeit zu verlieren.
International haben sich mehrere Fachgesellschaften der Standardisierung der Reanimation verschrieben. Der European Resuscitation Council (ERC) veröffentlicht seit den 1990er-Jahren regelmäßig aktualisierte Leitlinien, die American Heart Association (AHA) prägt den nordamerikanischen Raum, das International Liaison Committee on Resuscitation (ILCOR) bündelt die wissenschaftliche Evidenz weltweit, und der German Resuscitation Council (GRC) übersetzt diese Erkenntnisse in nationale Empfehlungen für den deutschsprachigen Rettungsdienst. Die in diesem Modul dargestellten Abläufe orientieren sich an diesen aktuellen Leitlinien.
Bevor überhaupt reanimiert werden kann, muss der Stillstand zuverlässig erkannt werden. Die Einschätzung erfolgt in zwei Schritten: Zunächst wird das Bewusstsein geprüft, indem der Patient laut angesprochen und vorsichtig an den Schultern berührt wird. Bleibt jede Reaktion aus, gilt der Patient als bewusstlos. Im zweiten Schritt wird die Atmung beurteilt: Der Kopf wird überstreckt, die Atemwege werden freigemacht, und für maximal zehn Sekunden wird beobachtet, ob sich der Brustkorb hebt und senkt, ob Atemgeräusche zu hören sind und ob ein Luftstrom spürbar ist. Atmet der Patient nicht oder nur unter Schnappatmung, wird von einem Herz-Kreislauf-Stillstand ausgegangen.
Ein Kreislaufstillstand kann viele Auslöser haben. Häufig liegt eine kardiale Ursache zugrunde, etwa ein Herzinfarkt, der die Pumpfunktion oder das Reizleitungssystem des Herzens stört. Ebenso können respiratorische Probleme – etwa eine zentrale Atemdepression durch Medikamente oder ein Schädel-Hirn-Trauma, oder eine periphere Atemstörung durch ein Thoraxtrauma – über eine zunehmende Hypoxie in einen Kreislaufstillstand münden.
Für dich als Ersthelfer:in im professionellen Rettungsdienst ist es wichtig zu wissen, dass es potenziell reversible Ursachen gibt, die während jeder Reanimation im Hinterkopf behalten werden sollten, auch wenn ihre gezielte Behandlung meist in den Aufgabenbereich des Notarztes fällt. Man merkt sich diese Ursachen als die „4 Hs“ – Hypoxie, Hypovolämie, Störungen des Kalium- oder Kalziumhaushalts sowie Hypothermie – und die „HITS“ – Herzbeuteltamponade, Intoxikation, Thromboembolie und Spannungspneumothorax.
Sobald ein EKG oder ein Defibrillator angeschlossen ist, lässt sich der zugrunde liegende Herzrhythmus einer von vier Kategorien zuordnen: Kammerflimmern, pulslose ventrikuläre Tachykardie, Asystolie oder pulslose elektrische Aktivität. Für dich als Rettungssanitäter:in ist vor allem die Unterscheidung zwischen „schockbar“ und „nicht schockbar“ relevant, denn genau diese Unterscheidung trifft der halbautomatische Defibrillator (AED) für dich.
Merke: Kammerflimmern ist die häufigste Ursache des plötzlichen Herztods und liegt bei rund vier von fünf Kreislaufstillständen initial vor. Da Kammerflimmern jedoch innerhalb weniger Minuten in eine Asystolie übergeht, sinkt dieser Anteil bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes deutlich. Das unterstreicht, wie entscheidend jede Minute bis zur ersten Defibrillation ist.
Der Basic Life Support bildet das Fundament jeder Reanimation und besteht aus drei eng ineinandergreifenden Elementen: hochwertigen Thoraxkompressionen, einer effektiven Beatmung und der frühestmöglichen Defibrillation. Studien zeigen immer wieder, dass ein früher, konsequenter BLS-Beginn die einzige Maßnahme ist, die die Überlebenswahrscheinlichkeit eines Patienten nachweislich und deutlich steigert – noch vor jeder medikamentösen oder invasiven Therapie.
Im Rettungsdienst stehen zu Beginn meist zwei Einsatzkräfte zur Verfügung, die nach der Zwei-Helfer-Methode arbeiten, bis weiteres Personal – etwa der Notarzt – eintrifft. Üblicherweise übernimmt eine erfahrenere Person die Rolle des Teamleiters. In der Praxis hat sich eine klare Rollenverteilung bewährt: Der Kopfhelfer oder die Kopfhelferin öffnet den Notfallkoffer, alarmiert den Notarzt nach, bereitet den Defibrillator vor und kümmert sich um die Beatmung. Der Seitenhelfer oder die Seitenhelferin kontrolliert Bewusstsein und Atmung und führt die Thoraxkompressionen durch, wobei die Zyklen laut mitgezählt werden. Damit keine der beiden Personen ermüdet und die Kompressionsqualität nachlässt, werden die Positionen alle zwei Minuten gewechselt – unabhängig davon, welche Rolle gerade ausgeübt wird. Steht nur eine Person zur Verfügung, übernimmt diese alle Aufgaben nacheinander nach demselben Grundprinzip.
Bevor die eigentliche Reanimation beginnt, steht immer der Basischeck: Ansprechen, vorsichtiges Schütteln an den Schultern, danach Überprüfung der Atmung mit überstrecktem Kopf. Reagiert der Patient nicht und atmet er nicht normal, wird unverzüglich mit den Thoraxkompressionen begonnen. Reagiert der Patient nicht, atmet aber normal, wird die stabile Seitenlage angelegt und die Atmung engmaschig weiter überwacht. Dieses strukturierte Vorgehen wird international häufig mit dem ABC-Schema zusammengefasst: Airway – Atemwege freimachen, Breathing – Atmung kontrollieren, Circulation – nach Kreislaufzeichen suchen. Denke daran, bei jedem Kontakt mit einem bewusstlosen Patienten auch an den Eigenschutz zu denken und angemessene persönliche Schutzausrüstung zu tragen.
Merke: Prüfen – Rufen – Drücken. Im Zweifel wird immer reanimiert, insbesondere dann, wenn eine Defibrillation absehbar nicht innerhalb weniger Minuten erfolgen kann.
Die Thoraxkompression ist das Herzstück der Reanimation. Sie erzeugt zwar nur etwa ein Viertel der normalen Herzauswurfleistung, reicht aber aus, um einen Notkreislauf aufrechtzuerhalten und Organschäden hinauszuzögern. Damit dieser Notkreislauf wirksam ist, muss die Technik stimmen: Der Patient liegt auf dem Rücken auf einer harten Unterlage, die kniende Helferin oder der kniende Helfer setzt den Handballen mittig auf die untere Hälfte des Brustbeins, legt die zweite Hand deckungsgleich darüber und drückt mit gestreckten Armen senkrecht von oben – kontrolliert, gleichmäßig und nicht ruckartig.
Als Richtwerte für Erwachsene gelten eine Drucktiefe von fünf bis sechs Zentimetern und eine Frequenz von 100 bis 120 Kompressionen pro Minute. Nach jeder Kompression muss der Brustkorb vollständig entlastet werden, ohne dass der Kontakt zur Haut verloren geht – nur so kann sich das Herz zwischendurch wieder mit Blut füllen, damit die nächste Kompression erneut einen wirksamen Auswurf erzeugt. Jede unnötige Unterbrechung lässt den mühsam aufgebauten Blutfluss sofort wieder zusammenbrechen, weshalb Pausen auf ein absolutes Minimum – etwa für die Beatmung oder die Schockabgabe – beschränkt bleiben sollten.
Da die Qualität der Kompressionen mit zunehmender Ermüdung nachlässt, wechseln sich die Helfenden alle zwei Minuten ab, auch wenn nur zwei Personen zur Verfügung stehen. Typische Fehlerquellen sind ein falsch gewählter Druckpunkt, eine zu geringe oder zu unregelmäßige Drucktiefe sowie eine unvollständige Entlastung zwischen den Kompressionen – all das mindert die Wirksamkeit der Reanimation erheblich.
Nach dem Freimachen der Atemwege erfolgt die Beatmung mittels Beutel-Masken-Beatmung mit angeschlossenem Sauerstoff. Der Kopf wird dazu mit dem sogenannten lebensrettenden Handgriff überstreckt, ein Guedel-Tubus kann das Offenhalten der Atemwege unterstützen. Die Maske wird mit dem C-Griff sicher abgedichtet, wobei Daumen und Zeigefinger die Maske umfassen und die übrigen Finger am Unterkiefer für die nötige Reklination sorgen.
Zwei Beatmungshübe von jeweils rund einer Sekunde Dauer werden mit möglichst niedrigem Druck appliziert, um eine Überblähung des Magens zu vermeiden. Als Zielvolumen gilt etwa die Hälfte eines Erwachsenenbeutels – die sichtbare Hebung des Brustkorbs ist dabei der verlässlichste Hinweis auf eine ausreichende Beatmung. Rosige statt bläuliche Hautfarbe und das Fehlen von Nebengeräuschen sprechen zusätzlich für einen dichten Maskensitz und eine effektive Ventilation.
Kompressionen und Beatmung werden im festen Verhältnis von 30 Kompressionen zu 2 Beatmungen durchgeführt – dieser Rhythmus gilt sowohl für die Ein- als auch für die Zwei-Helfer-Methode. Kommt es zu Schwierigkeiten bei der Maskenbeatmung, etwa durch unzureichende Kopflagerung, einen undichten Maskensitz oder einen verlegten Atemweg, darf das die Thoraxkompressionen nicht verzögern: Im Zweifel wird weiter gedrückt, denn auch unzureichend oxygeniertes Blut, das durch den Körper zirkuliert, ist besser als gar keine Zirkulation.
Merke: Die Hauptgefahr der Beutel-Masken-Beatmung ist die Magenüberblähung durch zu kräftiges oder zu schnelles Beatmen. Sie begünstigt Erbrechen und Aspiration – deshalb gilt: sanft beatmen, nur bis sich der Brustkorb sichtbar hebt.
Kammerflimmern und die pulslose ventrikuläre Tachykardie lassen sich wirksam nur durch einen elektrischen Schock beenden. Ein kurzer, gezielter Stromimpuls depolarisiert dabei gleichzeitig alle Muskelfasern des Herzens, sodass im Anschluss der Sinusknoten die Chance erhält, wieder einen geordneten Rhythmus vorzugeben. Im Rettungsdienst kommt bis zum Eintreffen des Notarztes in aller Regel der halbautomatische externe Defibrillator (AED) zum Einsatz: Er analysiert den Herzrhythmus selbstständig, gibt klare akustische und optische Anweisungen und löst den Schock erst nach Betätigung der Auslösetaste durch die Helferin oder den Helfer aus.
Die Klebeelektroden werden meist in der anterior-anterioren Standardposition angebracht – eine Elektrode rechts unterhalb des Schlüsselbeins, die andere links in der vorderen Achsellinie auf Höhe der Herzspitze. Während der Rhythmusanalyse darf niemand den Patienten oder leitfähige Gegenstände berühren, damit die Analyse nicht verfälscht wird. Unmittelbar vor der Schockabgabe wird laut und deutlich angekündigt, dass alle Beteiligten Abstand halten müssen, gefolgt von einem Kontrollblick, um sicherzustellen, dass wirklich niemand mehr Kontakt zum Patienten hat.
Nach jedem Schock wird die Reanimation ohne erneute Rhythmusanalyse sofort für zwei weitere Minuten mit Kompressionen und Beatmung im Verhältnis 30:2 fortgesetzt, bevor der AED den Rhythmus erneut prüft. Jede Minute, die bis zur ersten Defibrillation verstreicht, senkt die Überlebenschance bei Kammerflimmern spürbar – deshalb gehört das Anbringen des AED von Beginn an in den festen Ablauf jeder Reanimation und darf parallel zu den ersten Kompressionszyklen vorbereitet werden.
Merke: Schockbare Rhythmen sind ausschließlich Kammerflimmern und die pulslose ventrikuläre Tachykardie. Bei Asystolie oder pulsloser elektrischer Aktivität empfiehlt der AED keinen Schock – hier bleiben konsequente Thoraxkompressionen und Beatmung die entscheidenden Maßnahmen.
Trifft der Notarzt oder das Notfallsanitäter-Team ein, wird die Reanimation um erweiterte Maßnahmen ergänzt: dazu zählen die endotracheale Intubation oder supraglottische Atemwegshilfen, das Legen venöser oder intraossärer Zugänge sowie die Gabe von Reanimationsmedikamenten. Diese erweiterten Maßnahmen des Advanced Life Support liegen außerhalb deines Aufgabenbereichs als Rettungssanitäter:in – deine Aufgabe ist es, bis zu diesem Zeitpunkt einen möglichst lückenlosen, hochwertigen BLS sicherzustellen und das eintreffende Team durch strukturierte Übergabe und tatkräftige Unterstützung – etwa beim Fortführen der Kompressionen oder bei der Materialbereitstellung – bestmöglich zu entlasten. Eine gut funktionierende Basisreanimation ist die Voraussetzung dafür, dass jede nachfolgende erweiterte Maßnahme überhaupt eine Chance hat, erfolgreich zu sein.
Setzt der Kreislauf des Patienten wieder ein, spricht man vom Return of Spontaneous Circulation (ROSC). Hinweise darauf sind Spontanbewegungen, ein neuer, organisierter EKG-Rhythmus und – als entscheidendes Kriterium – ein wieder tastbarer Karotispuls, denn nur dieser beweist eine tatsächliche Auswurfleistung des Herzens. Ist ein Puls tastbar, werden umgehend Bewusstsein, Atmung und Blutdruck kontrolliert; in der Regel wird der Patient weiterhin unterstützend beatmet, bis eine ausreichende Eigenatmung gesichert ist.
Nach erfolgreicher Reanimation stehen die Beurteilung und Stabilisierung des Patienten im Vordergrund. Dazu gehören ein kontinuierliches Monitoring von Puls, Blutdruck, Atmung, Pupillenreaktion, Sauerstoffsättigung und Hautfarbe sowie – sofern ein gesicherter Atemweg besteht – die fortlaufende Kapnografie zur Kontrolle von Tubuslage und Beatmung. Ein wacher werdender Patient benötigt unter Umständen zusätzliche Sedierung, die jedoch in ärztlicher Verantwortung liegt. Wichtig aus rettungssanitäterlicher Sicht ist zudem das Temperaturmanagement: Patienten, die nach Kammerflimmern das Bewusstsein noch nicht wiedererlangt haben, sollten präklinisch nicht aktiv erwärmt werden, da ein leicht abgesenkter Temperaturbereich das Gehirn schützen kann – die gezielte Steuerung der Zieltemperatur erfolgt dann in der Klinik.
Ist der Patient so weit stabilisiert, folgt der zügige, aber schonende Transport in eine geeignete Zielklinik. Abrupte Lagewechsel werden vermieden, Zugänge und gegebenenfalls der Tubus zusätzlich gesichert, und das Monitoring läuft lückenlos während der gesamten Fahrt weiter. Eine frühzeitige Voranmeldung in der Zielklinik und eine sorgfältige Dokumentation des gesamten Reanimationsverlaufs runden die Versorgung ab.
Reanimationen bei Kindern sind im Rettungsdienstalltag selten – gerade deshalb lösen sie oft besonderen Stress aus, zumal meist besorgte Eltern anwesend sind. Anders als bei Erwachsenen steht bei Kindern in aller Regel nicht ein plötzliches Herzproblem am Anfang, sondern ein Sauerstoffmangel: Häufigste Ursachen sind Atemwegserkrankungen, Unfälle, der plötzliche Kindstod, Vergiftungen oder angeborene Herzfehler. Weil das Herz eines Kindes meist so lange weiterschlägt, bis der letzte Sauerstoff im Blut aufgebraucht ist, unterscheidet sich der Ablauf der Reanimation in einigen wichtigen Punkten vom Vorgehen bei Erwachsenen.
Zunächst wird auch bei Kindern das Bewusstsein geprüft – bei Säuglingen etwa durch sanftes Reiben der Fußsohlen, bei größeren Kindern durch lautes Ansprechen und vorsichtiges Schütteln an den Schultern. Kräftiges Schütteln ist bei Säuglingen und Neugeborenen strikt zu vermeiden, da es zu einem gefährlichen Schütteltrauma führen kann. Bei der anschließenden Atemkontrolle wird der Kopf nur leicht in die sogenannte Schnüffelposition überstreckt, da eine zu starke Reklination bei der kindlichen Anatomie die Atemwege eher verlegt als öffnet.
Der entscheidende Unterschied zur Erwachsenenreanimation liegt am Anfang: Weil der Kreislaufstillstand beim Kind fast immer die Folge von Sauerstoffmangel ist, beginnt die Reanimation nicht mit Kompressionen, sondern mit fünf initialen Beatmungen, um die leeren Lungen umgehend wieder mit Sauerstoff zu füllen. Erst danach folgt die Kreislaufprüfung für maximal zehn Sekunden. Zeigt das Kind keine Lebenszeichen oder liegt der Puls unter 60 Schlägen pro Minute bei gleichzeitig schlechter Durchblutung, beginnen die Thoraxkompressionen im Verhältnis 15 zu 2 – also 15 Kompressionen gefolgt von 2 Beatmungen, bis der Atemweg gesichert ist.
Die Kompressionstechnik richtet sich nach dem Alter: Bei Neugeborenen und Säuglingen hat sich die Zwei-Daumen-Technik bewährt, bei der beide Hände den Brustkorb umfassen und die Daumen mittig auf dem unteren Sternumbereich komprimieren. Bei größeren Kindern wird je nach Körpergröße mit einer oder mit beiden Händen gedrückt, ähnlich wie beim Erwachsenen. Die Drucktiefe orientiert sich an der sogenannten Ein-Drittel-Regel: Der Brustkorb wird um etwa ein Drittel seines Durchmessers eingedrückt, was ungefähr vier Zentimetern beim Säugling und etwa fünf Zentimetern beim Kind entspricht. Die Frequenz bleibt mit 100 bis 120 Kompressionen pro Minute nahezu identisch zur Erwachsenenreanimation, bei Neugeborenen wird mit etwa 120 pro Minute komprimiert.
Auch bei Kindern gehört die frühzeitige Anwendung eines Defibrillators zum Standard, auch wenn Kammerflimmern in dieser Altersgruppe deutlich seltener vorkommt als bei Erwachsenen. Steht ein Gerät mit speziellen Kinderelektroden oder einem Kindermodus zur Verfügung, wird die abgegebene Energie automatisch reduziert. Da der kindliche Brustkorb oft zu klein ist, um beide Elektroden nebeneinander auf der Vorderseite zu platzieren, wird häufig die anterior-posteriore Position gewählt: eine Elektrode mittig auf der Brust, die andere auf dem Rücken zwischen den Schulterblättern. Steht ausnahmsweise kein kindgerechtes Gerät zur Verfügung, wird dennoch ein normaler Erwachsenen-AED eingesetzt, da ein Schock trotz höherer Energie einem unterlassenen Schock in jedem Fall vorzuziehen ist.
Merke: Bei Kindern gilt: erst fünf Initialbeatmungen, dann erst die Kreislaufprüfung. Der Rhythmus für geschultes Personal lautet 15 Kompressionen zu 2 Beatmungen, die Drucktiefe folgt der Ein-Drittel-Regel des Brustkorbdurchmessers.
Bei Neugeborenen – also in den ersten vier Lebenswochen – unterscheidet sich das Vorgehen noch einmal geringfügig: Unmittelbar nach der Geburt werden Muskeltonus, Hautfarbe, Herzfrequenz und Atmung beurteilt. Häufig genügen bereits das Freimachen der Atemwege und fünf Initialbeatmungen mit Raumluft, um die Lunge zu entfalten und die Herzfrequenz innerhalb der ersten dreißig Sekunden ansteigen zu lassen. Bleibt die Herzfrequenz trotz Beatmung unter 60 Schlägen pro Minute, werden Thoraxkompressionen im Verhältnis 3 zu 1 begonnen. Nach einer erfolgreichen Reanimation ist bei Neugeborenen zusätzlich besonders auf den Schutz vor Auskühlung zu achten.