Der Rettungsdienst ist ein Hochrisikobereich für Infektionen: Wunden, Erbrochenes, Blut und potenziell hochansteckende Patient:innen gehören zum Alltag. Rettungssanitäter:innen tragen deshalb eine doppelte Verantwortung – sie schützen sich selbst und verhindern, dass sie Keime auf Patient:innen, Kolleg:innen oder Angehörige übertragen.
Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten sind allgegenwärtig und besiedeln den Menschen meist harmlos. Von einer Infektion spricht man erst, wenn Krankheitserreger in den Körper eindringen, sich dort vermehren und eine Erkrankung mit erkennbaren Symptomen auslösen. Geregelt wird der Umgang mit übertragbaren Krankheiten durch das Infektionsschutzgesetz (IfSG).
Ob ein Erreger krank macht, hängt von Pathogenität und Virulenz ab – und davon, ob das Immunsystem ihn abwehren kann. Die Zeitspanne zwischen Ansteckung und ersten Symptomen heißt Inkubationszeit.
Wichtige Kennzahlen: Inzidenz (Neuerkrankungen), Prävalenz (aktuell Erkrankte), Morbidität, Mortalität und Letalität. Nach Ausbreitung unterscheidet man Epidemie (örtlich/zeitlich begrenzt), Endemie (dauerhaft, örtlich begrenzt) und Pandemie (überregional).
Eine Infektionskette braucht Quelle, Übertragungsweg, Eintrittspforte und neuen Wirt. Jedes Glied lässt sich durch Hygienemaßnahmen unterbrechen.
Viele Infektionen beginnen unspezifisch: Fieber, Kopf-/Gliederschmerzen, reduzierter Allgemeinzustand, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Husten/Schnupfen.
Hepatitis B ist hoch ansteckend, deshalb ist die Grundimmunisierung für das Personal verpflichtend. Hepatitis C verläuft oft lange unbemerkt, es gibt keine Impfung, aber gute Heilungschancen. COVID-19 zeigte, wie schnell sich aerogene Erreger ausbreiten. Multiresistente Erreger wie MRSA und MRGN erfordern konsequente Hände- und Flächenhygiene.
Merke: Nadelstichverletzungen sind das größte berufliche Infektionsrisiko. Gebrauchte Kanülen niemals in die Schutzkappe zurückstecken (Recapping-Verbot) – sofort in den durchstichsicheren Abwurfbehälter.
Expositionsprophylaxe vermeidet Kontakt mit Erregern (Händehygiene, Schutzkleidung, Flächendesinfektion). Dispositionsprophylaxe stärkt die persönliche Abwehrbereitschaft, klassischerweise durch Impfungen.
Reinigung entfernt sichtbaren Schmutz. Desinfektion senkt die Keimzahl gezielt, ohne vollständige Keimfreiheit zu erreichen. Nur Sterilisation tötet ausnahmslos alle Mikroorganismen inkl. Sporen ab (Asepsis).
Mittel wirken bakterizid, fungizid oder viruzid (begrenzt viruzid vs. viruzid). Eingesetzt werden dürfen nur nach DGHM- bzw. RKI-Liste geführte Präparate, mit korrekter Dosierung und Schutzkleidung.
Merke: Für Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen dürfen ausschließlich nach DGHM bzw. RKI gelistete Präparate verwendet werden.
Flächen werden feucht gewischt, nicht gesprüht. Die hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste Einzelmaßnahme: Mittel auf trockene Hände, mindestens 30 Sekunden einreiben. Laufende Desinfektion erfolgt regelmäßig, Schlussdesinfektion nach jedem Einsatz – alles wird dokumentiert.
Achtung: Ein Desinfektionsmittel wirkt erst nach Ablauf der Einwirkzeit zuverlässig.
Kurze Fingernägel, Hautschutzpflege, zusammengebundene Haare, kein Schmuck bei Händedesinfektion. Die PSA wird kostenlos gestellt; Hepatitis-B-Impfung ist für Rettungsdienstpersonal verpflichtend, ergänzt durch jährliche Grippe- und COVID-19-Impfung.
Jede Rettungswache führt einen schriftlichen Hygieneplan mit verbindlichem Desinfektionsplan (Mittel, Dosierung, Einwirkzeit je Anwendungsbereich).
Vor Gebrauch Verpackung und Verfallsdatum prüfen – beschädigte, feuchte oder abgelaufene Verpackung bedeutet unsteril. Vorher Hände desinfizieren, Verpackung erst unmittelbar vor Gebrauch öffnen.
Nur geschultes, dienstfähiges und geimpftes Personal darf Infektionstransporte durchführen. Wo verfügbar, kommen Sonderfahrzeuge zum Einsatz; sonst wird das Regelfahrzeug abgerüstet.
Risikokategorien reichen von normalem Kontaktrisiko über multiresistente Erreger bis zu hochkontagiösen Erregern mit Spezialfahrzeug und Gesundheitsamt-Einbindung. Vor Fahrtantritt: Schutzkleidung anlegen, Desinfektionsmittel mitführen.
Direkte Fahrt ohne Zwischenstopps, durchgehende Schutzkleidung, Trennscheibe geschlossen, Patientenkontakt auf das Nötige begrenzt. Vitalfunktionssicherung hat Vorrang vor Infektionsschutz, solange der Eigenschutz gewahrt bleibt.
Schlussdesinfektion von Krankenraum, berührten Gegenständen, Trage und Tragestuhl ist verpflichtend. Personal wechselt Schutzausrüstung, entsorgt kontaminierte Kleidung, duscht vor frischer Dienstkleidung. Bei nachträglich bekanntem Infektionsstatus gelten Fahrzeug und Personal bis zur Klärung als nicht einsatzbereit, ggf. ist eine Postexpositionsprophylaxe nötig.
Merke: Ohne dokumentierte Schlussdesinfektion ist ein Fahrzeug nach Infektionstransport nicht wieder einsatzbereit.