Funk ist im Rettungsdienst das zentrale Kommunikationsmittel zwischen Fahrzeug und Leitstelle: Jede Ansage muss knapp, verständlich und rechtssicher sein. Sprechfunk und Datenübertragung laufen dabei größtenteils über den sogenannten BOS-Funk – den nichtöffentlichen Landfunkdienst der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben, zu denen neben Rettungsdienst und Feuerwehr auch Polizei, Katastrophenschutz und Technisches Hilfswerk gehören. Über Funk werden Einsätze übernommen, Lagemeldungen abgesetzt, Kräfte nachgefordert und Patienten in der Klinik angemeldet.
Beim Funk werden Informationen mithilfe elektromagnetischer Wellen übertragen. Man unterscheidet zwei Verfahren:
Heute ist der Digitalfunk bundesweit Standard; analoge Technik findet man vor allem noch bei der Alarmierung und in einzelnen Regionen als Rückfallebene.
Das Funkmeldesystem wurde entwickelt, um den Sprechfunk zu entlasten: Über eine Tastatur im Fahrzeug lässt sich der Einsatzstatus als kurzes digitales Telegramm an die Leitstelle übermitteln – ohne Sprechfunkspruch. Die Leitstelle sieht dadurch jederzeit, welches Fahrzeug frei, im Einsatz oder nicht verfügbar ist, und kann die Einsatzzeiten automatisch dokumentieren. Das Prinzip der Statusmeldungen wurde in den Digitalfunk übernommen; die Ziffern 1 bis 9 haben dort dieselbe Bedeutung.
Merke: Die wichtigsten Statusziffern: 1 = einsatzbereit über Funk, 2 = einsatzbereit auf Wache, 3 = Einsatzauftrag übernommen/Anfahrt, 4 = am Einsatzort, 5 = Sprechwunsch, 6 = nicht einsatzbereit, 7 = Patient aufgenommen, 8 = am Transportziel, 9 = Fremdanmeldung bzw. Handquittung (regional unterschiedlich belegt), 0 = priorisierter (dringender) Sprechwunsch.
Umgekehrt kann auch die Leitstelle kurze Aufträge an das Fahrzeug senden, die als Buchstaben angezeigt werden – etwa „J“ als Sprechaufforderung, wenn das Fahrzeug einen Sprechwunsch gemeldet hat. Wichtig: Status 0 ist ein priorisierter Sprechwunsch und nur in begründeten Fällen zu nutzen, wenn eine Meldung keinen Aufschub duldet. Ist die Besatzung selbst in akuter Gefahr, etwa bei einem Übergriff, ist nicht Status 0, sondern die Notruftaste des Funkgeräts das richtige Mittel (siehe 9.3.2).
Das heutige BOS-Funknetz basiert auf TETRA (Terrestrial Trunked Radio), einem Bündelfunk mit dynamischer Frequenzvergabe: Frequenzen sind nicht dauerhaft einem Kanal zugeordnet, sondern werden dem Gespräch nur für seine Dauer zugeteilt. Funkzellen decken je nach Bebauung einen Radius von etwa 5 bis 30 km ab; beim Weiterfahren wechselt das Gerät automatisch in die nächste Zelle. Neben Sprache überträgt TETRA Statusmeldungen sowie Kurzdaten über den Short Data Service (SDS), etwa Einsatzdaten, Textnachrichten oder GPS-Positionen.
Kommuniziert wird überwiegend in Gesprächsgruppen: Alle Geräte, die in derselben Gruppe geschaltet sind, hören mit – etwa alle Rettungsmittel eines Leitstellenbereichs. Daneben sind Einzelrufe zwischen zwei Teilnehmern möglich.
TETRA verschlüsselt die Übertragung zwischen Endgerät und Netz, sodass Unbefugte Gespräche nicht wie beim Analogfunk mit einem einfachen Scanner mithören können. Jedes Gerät meldet sich mit einer eigenen Sicherheitskarte (BSI-Karte) im Netz an, das die Bundesanstalt für den Digitalfunk der BOS (BDBOS) betreibt; geht ein Gerät verloren, kann es aus der Ferne gesperrt werden. Trotz Verschlüsselung gilt der Grundsatz der Datensparsamkeit: Namen und Details von Patienten werden über Funk nur genannt, wenn es für den Einsatz unbedingt erforderlich ist.
Man unterscheidet fest eingebaute Fahrzeugfunkgeräte (MRT), Handfunkgeräte (HRT) und ortsfeste Geräte in Leitstellen und Wachen. Jedes Gerät trägt eine operativ-taktische Adresse (OPTA) – eine 24-stellige Kennung nach festem Aufbauschema, aus der unter anderem Land, Organisation, Standort und Fahrzeugtyp hervorgehen. Die OPTA erscheint bei jedem Funkruf auf dem Display der Gegenstelle, sodass sofort erkennbar ist, wer funkt.
Handfunkgeräte und viele Fahrzeugfunkgeräte besitzen eine gut erreichbare, meist rote oder orange Notruftaste; je nach Gerät muss sie einige Sekunden gehalten werden. Der Notruf geht als Gruppenruf mit Notfallpriorität ab: Er unterbricht laufende Gespräche, alarmiert sofort die Leitstelle, übermittelt meist die Position und öffnet das Mikrofon für einige Sekunden, ohne dass die Sprechtaste gedrückt werden muss. Die Notruftaste ist deshalb nur bei akuter Gefahr für Leib und Leben der Einsatzkräfte zu nutzen – für dringende Meldungen gibt es Status 0.
Der Sprechfunkverkehr folgt festen Abläufen. Grundlage ist die Dienstvorschrift FwDV/DV 810 „Sprech- und Datenfunkverkehr“ (Ausgabe 2018; Teil I regelt den Digitalfunk, Teil II den Analogfunk), ergänzt durch die Betriebshandbücher der BDBOS und der Länder. Funksprüche sind so kurz wie möglich, deutlich, in normaler Lautstärke und in einfachen Sätzen. Vor dem Sprechen wird überlegt, was gesagt werden soll. Angesprochen wird förmlich mit „Sie“.
Merke: Im Digitalfunk gilt „Drücken – Warten – Sprechen“. Nach dem Drücken der Sprechtaste baut das Netz die Verbindung erst auf; gesprochen wird erst nach dem Freigabeton bzw. der Anzeige im Display, sonst gehen die ersten Silben verloren. Ist die Gruppe gerade belegt, bleibt die Sprechtaste gedrückt (Warteschlange), bis die Freigabe kommt. Losgelassen wird erst nach dem letzten Wort.
Ein Funkspruch beginnt mit dem Rufnamen der Gegenstelle, dann folgt der eigene Rufname, abgeschlossen mit „kommen“, wenn eine Antwort erwartet wird. Ein typischer Ablauf lautet etwa: „Leitstelle Musterstadt von Rotkreuz Musterstadt 1-83-1, kommen.“ – „Hier Leitstelle Musterstadt, kommen.“ – „Patient aufgenommen, Transport in das Klinikum Musterstadt, Voranmeldung Schockraum erbeten, kommen.“ – „Verstanden, Ende.“ Zahlen werden über die Zifferntafel ausgesprochen („zwo“ statt „zwei“, um Verwechslungen mit „drei“ zu vermeiden), schwer verständliche Wörter mit „Ich buchstabiere“ angekündigt und nach der Buchstabiertafel der FwDV/DV 800 (Anlage 2) buchstabiert: „Anton, Berta, Cäsar …, Samuel …, Zacharias“. Nicht verwechseln: Die DIN 5009 verwendet seit 2022 für Wirtschaft und Verwaltung Städtenamen („A wie Aachen“), und Wörter wie „Siegfried“ oder „Zeppelin“ stammen aus der NS-Zeit und sind nur umgangssprachlich erhalten – beides ist im BOS-Funk nicht vorgesehen. Feste Betriebsworte wie „kommen“, „Ende“, „verstanden“, „wiederholen“ oder „ich korrigiere“ sorgen dafür, dass jeder weiß, woran er ist.
Merke: Funkrufnamen sind weiterhin gebräuchlich – etwa „Florian“ für die Feuerwehr, „Rotkreuz“ für das DRK, „Christoph“ für Rettungshubschrauber. Die Fahrzeugkennung folgt einem festen Aufbau aus Standort, Fahrzeugart und laufender Nummer; die Kennzahl für die Fahrzeugart (z. B. 83 für den Rettungswagen) ist regional unterschiedlich geregelt.
Einsatzkräfte, die sich nicht auf der Wache befinden – etwa ehrenamtliche Helfer, Notärzte im Hintergrunddienst oder Schnelleinsatzgruppen –, werden über Funkmeldeempfänger alarmiert. Die Leitstelle kann dabei gezielt einzelne Personen, bestimmte Gruppen oder ganze Einheiten ansprechen.
Bei der analogen Alarmierung werden Einsatzkräfte über einen Funkmeldeempfänger („Piepser“) erreicht, der durch eine Fünf-Ton-Folge ausgelöst wird. Jede Tonfolge ist einer Person oder Gruppe zugeordnet. Anschließend kann die Leitstelle eine kurze Durchsage übermitteln, die über den Empfänger hörbar ist. Nachteile sind die fehlende Rückmeldung, ob die Alarmierung angekommen ist, und die Störanfälligkeit bei schlechtem Empfang.
Die digitale Alarmierung ist zuverlässiger, schont das Funkband und kann Textnachrichten direkt auf das Display des Meldeempfängers übertragen – etwa Einsatzstichwort, Adresse und Einsatznummer. Viele Systeme erlauben zusätzlich eine Rückmeldung, ob die alarmierte Kraft verfügbar ist, sodass die Leitstelle frühzeitig weiß, wie viele Kräfte ausrücken. Ergänzend kommen Smartphone-Apps zum Einsatz, die den Funkmeldeempfänger aber nicht ersetzen dürfen, da sie vom öffentlichen Mobilfunknetz abhängig sind.
Telenotarzt-Systeme ermöglichen ärztliche Entscheidungen, ohne dass ein Notarzt vor Ort ist. Ein erfahrener Notarzt in einer Telenotarztzentrale wird bei Bedarf per Audioverbindung zugeschaltet und erhält in Echtzeit Vitalparameter, EKG-Kurven und gegebenenfalls Fotos oder Videos vom Einsatzort. Er kann das Team beraten, Medikamente freigeben und die Zielklinik mitbestimmen. Die Übertragung erfolgt in der Regel über das Mobilfunknetz, ergänzend zum BOS-Funk.
Auch ohne Telenotarzt werden Daten übertragen: Viele Rettungswagen senden ein 12-Kanal-EKG direkt an die Klinik, damit bei einem Herzinfarkt das Herzkatheterlabor schon vor Ankunft des Patienten vorbereitet werden kann. Für euch bedeutet das: Geräte korrekt anschließen, Datenverbindung prüfen und die Übertragung im Einsatzprotokoll dokumentieren.