Wer im Rettungsdienst funkt, übernimmt Führungsaufgabe: Jede Ansage muss knapp, verständlich und rechtssicher sein. Sprechfunk und Datenübertragung laufen dabei größtenteils über den sogenannten BOS-Funk – den nichtöffentlichen Landfunkdienst der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben.

9.1 Funkarten

  • Analoger Funk überträgt Informationen über gleichmäßig geformte Wellen.
  • Digitaler Funk arbeitet mit gepulsten Signalen, ähnlich einem Blitzlicht.

9.2 Analoges Funkmeldesystem (FMS)

Über eine Tastatur im Fahrzeug lässt sich der Einsatzstatus als achtstelliges digitales Kurztelegramm an die Leitstelle übermitteln – ohne Sprechfunkspruch.

Merke: Die wichtigsten FMS-Statusziffern: 1 = einsatzbereit über Funk, 2 = einsatzbereit auf Wache, 3 = Auftrag übernommen/Anfahrt, 4 = am Einsatzort, 5 = Sprechwunsch, 6 = nicht einsatzbereit, 7 = Abfahrt zum Ziel mit Patient, 8 = am Ziel, 9 = Leitstelle frei, 0 = Notruf.

9.3 Digitalfunk TETRA

Das heutige BOS-Funknetz basiert auf TETRA (Terrestrial Trunked Radio), einem Bündelfunk mit dynamischer Frequenzvergabe. Funkzellen decken je nach Bebauung einen Radius von etwa 5 bis 30 km ab. Neben Sprache überträgt TETRA Kurzdaten über den Short Data Service (SDS).

9.3.1 Sicherheit

TETRA verschlüsselt die Funkschnittstelle Ende-zu-Ende. Der Zugang ist an eine Sicherheitskarte der BDBOS gebunden. Es gilt der Grundsatz der Datensparsamkeit.

9.3.2 Endgeräte

Jedes Gerät trägt eine operativ-taktische Adresse (OPTA) – eine 24-stellige Kennung nach festem Aufbauschema.

9.3.3 Betriebsarten: TMO und DMO

  • TMO: Standardmodus im Bündelfunk über eine Basisstation – Einzel- und Gruppengespräche möglich.
  • DMO: Direktbetrieb zwischen zwei Geräten ohne Netzanbindung, wie ein Walkie-Talkie.

9.4 Vergleich: digitaler und analoger Funk

  • Notruf: digital mit GPS-Ortung möglich
  • Vertraulichkeit: digital Ende-zu-Ende verschlüsselt, analog offen mithörbar
  • Kapazität: digital dynamische Frequenzvergabe, analog feste Frequenzen
  • Telefonie: nur im Digitalfunk möglich

9.5 Gesprächsabwicklung

Der Sprechfunkverkehr folgt festen, in der FwDV 810.3 geregelten Abläufen: so kurz wie möglich, deutlich, in normaler Lautstärke. Zahlen werden über die Zifferntafel ausgesprochen, schwer verständliche Wörter nach der Buchstabiertafel buchstabiert. Angesprochen wird förmlich mit "Sie".

Merke: Funkrufnamen sind weiterhin gebräuchlich – etwa "Florian" für die Feuerwehr, "Rotkreuz" für das DRK, "Christoph" für Rettungshubschrauber. Die Fahrzeugkennung folgt einem festen Aufbau aus Standort, Fahrzeugart und laufender Nummer.

9.6 Alarmierung per Funk

9.6.1 Analoge Alarmierung

Einsatzkräfte werden über einen Funkmeldeempfänger ("Piepser") erreicht – ausgelöst durch eine Fünf-Ton-Folge über das 4-Meter-Band.

9.6.2 Digitale Alarmierung

Zuverlässiger, schont das Funkband und kann Textnachrichten direkt auf das Display des Meldeempfängers übertragen.

9.7 Funk in der Telemedizin

Telenotarzt-Systeme ermöglichen ärztliche Entscheidungen ohne Arzt vor Ort – Kommunikation über Funk, mit Übertragung von Live-Bildern, Videos und Vitalparametern.

Literatur und Quellen für dieses Modul

  • Polizeidienstvorschrift (PDV) 810 / Dienstvorschrift (DV) 810: Sprechfunkverkehr
  • BDBOS: Richtlinien für den Betrieb des Digitalfunks TETRA
  • Landesrettungsdienstpläne und Funkrufnamenerlasse der Länder
  • ÄLRD-Vorgaben: regionale Standards für telemedizinische Anwendungen