Die meisten tödlichen Badeunfälle ereignen sich an ungesicherten Seen, Teichen und Flüssen. Schwimmfähigkeit schützt kaum vor dem Ertrinken. Besonders betroffen sind Säuglinge (häuslich, z. B. Badewanne), Jugendliche (Alkohol) und ältere Menschen (internistische/neurologische Ursachen).
Nach ILCOR ist Ertrinken ein Vorgang, bei dem die Atmung durch Ein- oder Untertauchen in eine Flüssigkeit primär beeinträchtigt wird. Submersion: Körper und Atemwegsöffnung vollständig unter Wasser. Immersion: Kopf über Wasser, restlicher Körper eingetaucht – hier drohen vor allem Auskühlung und Spritzwasser-Aspiration.
Merke: Die alten Begriffe "Beinahe-Ertrinken" oder "trockenes/nasses Ertrinken" sind veraltet. Maßgeblich sind Submersion, Immersion sowie tödlich/nicht tödlich.
Reflexhaftes Luftanhalten (meist unter 2 Min.) mit Abwehrbewegungen – dann Atemreiz trotz Untertauchens. Wasserkontakt am Kehlkopf löst oft einen Stimmritzenkrampf aus; löst sich dieser, wird Wasser eingeatmet. Es folgt Schnappatmung, dann Schaumbildung in den Atemwegen, die den Gasaustausch massiv behindert.
Leitsymptom ist die Zyanose. Rettung aus dem Wasser möglichst durch spezialisierte Kräfte (Wasserwacht/DLRG). Wache Patienten: Oberkörper hoch, nasse Kleidung entfernen, Rettungsdecke, Monitoring, Kerntemperatur messen. Bewusstlose/nicht ausreichend atmende Patienten: Reanimation mit fünf initialen Beatmungen zu Beginn, danach üblicher Ablauf.
Merke: "No one is dead until he is warm and dead" – bei unterkühlten Ertrinkungsopfern wird die Reanimation nicht vorschnell beendet.
Drei Formen: Apnoetauchen (ohne Hilfsmittel, angehaltener Atem), Schnorcheltauchen (Atmung über Rohr), Gerätetauchen (Lungenautomat passt Druck an).
Boyle-Mariotte: Druck und Volumen eines Gases verhalten sich umgekehrt proportional – in 10 m Tiefe herrschen ca. 2 bar, ein Gasvolumen halbiert sich. Henry: Unter erhöhtem Druck lösen sich Atemgase (v. a. Stickstoff) verstärkt in Blut/Gewebe. Dalton: Ab ca. 30 m kann gelöster Stickstoff einen Tiefenrausch auslösen (Euphorie, Fehlentscheidungen).
Merke: Faustregel: an der Oberfläche ca. 1 bar, pro 10 m Wassertiefe ca. 1 weiteres bar.
Entsteht durch Druckdifferenzen zwischen luftgefüllten Körperhöhlen (Lunge, Mittelohr, Nasennebenhöhlen) und Umgebung – beim Ab- oder Auftauchen, v. a. bei behindertem Druckausgleich. Pulmonales Barotrauma: Thoraxschmerz, Atemnot, Zyanose, ggf. blutig-schaumiger Auswurf, Hautemphysem – in schweren Fällen Luftembolie mit schlaganfallähnlichen Symptomen. Basismaßnahmen: Vitalfunktionen sichern, Sauerstoff, rasche Klinikversorgung.
Zu schneller Aufstieg lässt Stickstoff im Gewebe ausperlen (wie eine geschüttelte Sprudelflasche). Symptome: Müdigkeit, Hautjucken ("Taucherflöhe"), Gelenkschmerzen ("Bends"), bei Lungenbeteiligung Thoraxschmerz/Reizhusten ("Chokes"), neurologisch Sehstörungen bis Lähmungen. Meist innerhalb weniger Stunden nach dem Auftauchen.
Basisversorgung: Vitalfunktionen sichern, wache Patienten flach lagern, hochdosierter Sauerstoff (ca. 15 l/min über Maske mit Reservoir), Monitoring, Tauchgerät/Tauchcomputer sicherstellen. Definitive Therapie ist die Rekompression in einer Druckkammer (hyperbare Oxygenierung) – Zielklinik muss eine Druckkammer haben, Flug in niedriger Höhe.
Merke: Bei jedem Verdacht auf Tauchunfall: so früh wie möglich so viel Sauerstoff wie möglich, flache Lagerung statt Kopftieflage, Zielklinik mit Druckkammer.