Diagnostikgeräte sind kein Ersatz für die körperliche Untersuchung, sondern deren wichtigste Ergänzung.

Merke: Technische Diagnostik ergänzt die gründliche Patientenuntersuchung – sie ersetzt sie nie.

12.1 Einsatz von Diagnostikgeräten

Als Rettungssanitäter*in bedient ihr die Basisgeräte selbstständig: Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Blutzucker, EKG-Elektroden anlegen und Werte ablesen. Die vertiefte Interpretation liegt bei Notfallsanitäter*in und Notarzt.

12.2 Blutdruckmessung

  • Manuell nach Riva-Rocci: Manschette aufpumpen, beim Ablassen Korotkow-Geräusche auskultieren.
  • Palpatorisch: nur systolischer Wert, für laute Umgebungen.
  • Automatisch (oszillometrisch): bequem, aber störanfälliger bei Bewegung oder Rhythmusstörungen.

Die Manschette gehört auf die nackte Haut, nie über dicke Kleidung.

12.3 Blutzuckermessung

Gehört bei jeder unklaren Bewusstseinsstörung zu den ersten diagnostischen Schritten, da Hypo- und Hyperglykämie einem Schlaganfall ähneln können. Normwerte typischerweise in mg/dl (Umrechnung: mmol/l × 18 = mg/dl).

Merke: Eine Blutzuckermessung ist schnell, risikoarm und deckt reversible Ursachen von Bewusstseinsstörungen zuverlässig auf.

12.4 Pulsoxymetrie

Misst über Lichtabsorption die Sauerstoffsättigung (SpO₂) und Pulsfrequenz. Sensor an Finger, Ohrläppchen oder Nasenrücken. Grenzen: Schock, Blässe, Kohlenmonoxidvergiftung, lackierte Nägel können Werte verfälschen.

Merke: Die Pulsoxymetrie ist ein frühes Warnsystem für Sauerstoffmangel, ersetzt aber nicht die vollständige Untersuchung.

12.5 EKG-Diagnostik

Zeigt ausschließlich die elektrische Aktivität des Herzens – nicht, ob eine wirksame Pumpleistung entsteht (pulslose elektrische Aktivität möglich). Ihr unterstützt beim Anlegen der Elektroden und Ablesen von Herzfrequenz/Rhythmusalarm; die Kurveninterpretation obliegt höher qualifiziertem Personal.

Merke: Sichtbare elektrische Aktivität im EKG bedeutet nicht automatisch eine wirksame Herzaktion.

12.6 Kapnometrie

Misst den CO₂-Gehalt der Ausatemluft – dient bei Intubierten als sicherer Tubuslage-Nachweis und kann während Reanimation auf wirksame Herzdruckmassage hindeuten. Ihr lest den Wert ab und meldet Veränderungen.

12.7 Fiebermessung

  • Ohrthermometer: Praxisstandard, schnell, nicht invasiv.
  • Stirnelektrode: Infrarot, kerntemperaturnah.
  • Digital sublingual/axillär/inguinal: axillär ca. 1°C niedriger.
  • Rektal: am genauesten, selten angewandt.

12.8 Geräte- und Beurteilungsfehler

12.8.1 Fehlmessung

Umgebungslicht kann die Pulsoxymetrie sättigen, schlechte Durchblutung zu niedrige Werte vortäuschen. Manschette über Kleidung führt zu Fehlwerten.

Merke: Wiederholte Fehlalarme führen zur Alarmmüdigkeit – jeder Alarm sollte auf seine tatsächliche Ursache geprüft werden.

12.8.2 Methodenfehler

Herzfrequenz aus der Pulswelle statt EKG kann bei Rhythmusstörungen zu einem Pulsdefizit führen.

12.8.3 Fehlinterpretation

Falscher EKG-Papiervorschub (50 statt 25 mm/s) kann fälschlich als Bradykardie gedeutet werden.

12.8.4 Fehlbedienung und Fremdeinfluss

Vertauschte EKG-Elektroden verändern das Kurvenbild deutlich; Kälte, Sonneneinstrahlung oder Mobiltelefone können zusätzlich stören.

Merke: Bei unplausiblen Messwerten oder Artefakten sollte immer auch an äußere Störquellen gedacht werden.

Literatur und Quellen für dieses Modul

  • Advanced Medical Life Support (AMLS) / NAEMT
  • AG ÄLRD der sechs Länder: Behandlungspfad Rettungsdienst (BPR)
  • Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK): Leitlinien Akutes Koronarsyndrom
  • Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC): Leitlinien Aortendissektion
  • European Resuscitation Council (ERC): Leitlinien Reanimation/Atemwegsmanagement
  • DGAI: S1-Leitlinie Prähospitales Atemwegsmanagement
  • Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Asthma/COPD